Sizabulos

Sizabulos (bzw. Silzibulos) war ein türkischer Herrscher in Westturkestan in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Er regierte etwa von 552 bis 575/76 in Sogdien.

Sizabulos ist die griechische Namensform dieses türkischen Herrschers. Er wird in der Forschung oft mit dem aus den späteren Orchon-Runen bekannten Istämi (auch Istami, Iştämi oder İstemi) gleichgesetzt, der ein mächtiger Herrscher der Westtürken gewesen ist, doch ist dies keine zweifelsfreie Gleichsetzung.[1] Sizabulos ist dem Bericht des spätantiken Geschichtsschreibers Menander Protektor zufolge, dem wir die meisten Informationen verdanken, jedenfalls der mächtigste der türkischen Herrscher in Sogdien gewesen. Der griechische Name Sizabulos ist womöglich eine Umschreibung für den Rangtitel Syr-Yabgu.[2] Theophylaktos Simokates nennt einen Stembis-Chagan,[3] was sich wohl auf Sizabulos bezieht.

In Sogdien haben Türken und Einheimische kooperativ agiert, wobei Sogdier in der Verwaltung des nur locker aufgebauten westtürkischen Reiches eine wichtige Rolle spielten.[4] Die Awaren entzogen sich jedoch der Herrschaft des Khagans, woraufhin dieser geschworen haben soll, Rache an ihnen zu nehmen.

Sizabulos brach im Bündnis mit dem Sassanidenkönig Chosrau I. die Macht der Hephthaliten und erweiterte auf deren Kosten seinen Einflussbereich. Sizabulos hatte daher zunächst gute Kontakte mit dem Sassanidenreich gepflegt und Chosrau sogar mit einer seiner Töchter verheiratet. Doch bald schon brachen Rivalitäten aus, die sich nicht zuletzt um die Kontrolle der Handelsrouten entlang der sogenannten Seidenstraße drehten. Chosrau beleidigte Sizabulos durch das Abweisen von Geschenken und von Gesandten. Anschließend wandte sich Sizabulos auf den Rat des offenbar recht einflussreichen Sogdiers Maniakh dem Oströmischen Reich zu; Maniakh selbst reiste nach Konstantinopel und knüpfte dort Kontakte.[5]

Kaiser Justin II. schickte 569 eine Gesandtschaft unter der Leitung des Zemarchos zum Hof des Khagans.[6] Dies war der Beginn eines regelmäßigen Gesandtenaustauschs zwischen den Westtürken und Ostrom.[7] Über die Reise des Zemarchos hat Menander Protektor einen relativ ausführlichen Bericht verfasst.[8] Zemarchos wurde am türkischen Hof in einem prunkvollen Rahmen freundlich empfangen. Sizabulos ging ein Bündnis mit den Oströmern ein, das gegen Persien gerichtet war.

Als eine oströmische Gesandtschaft unter Valentinos 576 den türkischen Hof erreichte, war Sizabulos bereits verstorben.[9] Nachfolger war sein Sohn, dessen griechische Namensform Turxanthos lautet; ein anderer Sohn (falls die Identifizierung von Sizabulos mit Iştämi korrekt sein sollte) hieß Tardu. Ein weiterer Vertrag kam nicht zustande, zumal die Oströmer inzwischen Kontakt mit den Awaren aufgenommen hatten, was Turxanthos als feindlichen Akt betrachtete.[10] Das römisch-türkische Bündnis zerbrach schließlich.

Literatur

  • Hans Wilhelm Haussig: Byzantinische Quellen über Mittelasien in ihrer historischen Aussage. In: J. Harmatta (Hrsg.): Prolegomena to the Sources on the History of Pre-Islamic Central Asia. Budapest 1979, S. 41–60.
  • Li Qiang, Stefanos Kordosis: The Geopolitics on the Silk Road. Resurveying the Relationship of the Western Türks with Byzantium through Their Diplomatic Communications. In: Medieval Worlds 8, 2018, S. 109–125.
  • Bertold Spuler: Geschichte Mittelasiens seit dem Auftreten der Türken. In: Karl Jettmar (Hrsg.): Geschichte Mittelasiens. Brill, Leiden 1966, S. 123ff.
  • John Martindale: The Prosopography of the Later Roman Empire. Band 3. Cambridge University Press, Cambridge 1992, S. 1163f.
  • Denis Sinor: The Establishment and Dissolution of the Turk Empire. In: Denis Sinor (Hrsg.): The Cambridge History of Early Inner Asia. Cambridge University Press, Cambridge 1990, S. 285–316.
  • Étienne de La Vaissière: Sogdian Traders. A History. Brill, Leiden 2005.

Anmerkungen

  1. Siehe Clifford Edmund Bosworth: Ṭabarī. The Sāsānids, the Byzantines, the Lakhmids, and Yemen. Albany/NY 1999, S. 153f., Anmerkung 394; Denis Sinor: The Establishment and Dissolution of the Turk Empire. In: Denis Sinor (Hrsg.): The Cambridge History of Early Inner Asia. Cambridge 1990, S. 302f.
  2. Vgl. Walter Pohl: Die Awaren. 2. Aufl. München 2002, S. 356, Anmerkung 6.
  3. Theophylaktos Simokates, Historien, 7,7,9.
  4. Étienne de La Vaissière: Sogdian Traders. A History. Leiden 2005, S. 199ff.
  5. Vgl. Étienne de la Vaissière: Sogdian Traders. A History. Leiden 2005, S. 234f.
  6. Mihály Dobrovits: The Altaic world through Byzantine eyes: Some remarks on the historical circumstances of Zemarchus’ journey to the Turks (AD 569-570). In: Acta Orientalia 64, 2011, S. 373–409.
  7. Vgl. zu den türkisch-oströmischen Kontakten auch Christoph Baumer: The History of Central Asia. Bd. 2, London 2014, S. 175ff.; Walter Pohl: Die Awaren. 2. Aufl. München 2002, S. 42f.; Étienne de La Vaissière: Sogdian Traders. A History. Leiden 2005, S. 234ff.
  8. Menander, Fragment 20.
  9. Menander, Fragment 43.
  10. Walter Pohl: Die Awaren. 2. Aufl. München 2002, S. 66f.