Habsburg-Lothringen

Wappen Österreich-Lothringen auf Doppeladler, Revers eines Wiener Dukatens Josephs II. von 1787. Die lateinische Titulatur lautet übersetzt: „von Gottes Gnaden Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reichs, König von Germanien (Deutschland), Ungarn, Böhmen, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund (Österreichische Niederlande), Lothringen, Großherzog von Etrurien (Toskana).“ Man beachte das Fehlen des Habsburger Wappens.

Das Haus Habsburg-Lothringen (ursprünglich Österreich-Lothringen) entstand 1736 mit der Heirat von Herzog Franz Stephan von Lothringen aus dem Haus Châtenois (Zweig Vaudémont) mit Erzherzogin Maria Theresia von Österreich aus dem Haus Habsburg.

Geschichte

Entstehung

Nachdem 1700 bereits die spanischen Habsburger ausgestorben waren, erlosch mit dem Tod Kaiser Karls VI. 1740 auch der verbliebene Zweig des Hauses Österreich (domus Austriae). Das Erbe trat aufgrund eines Staats- und Verfassungsvertrags, der Pragmatischen Sanktion, Karls älteste Tochter Maria Theresia an, die mit Franz Stephan von Lothringen verheiratet war. Um die Ansprüche des Hauses Österreich, namentlich auf die Königreiche Ungarn und Böhmen sowie auf den Kaisertitel, durchsetzen zu können, erhielt die neue Dynastie die Bezeichnung Österreich-Lothringen (später Habsburg-Lothringen), obwohl sie in männlicher Linie die Fortsetzung des Hauses Lothringen darstellt.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg konnte Maria Theresia ihre Ansprüche größtenteils durchsetzen, doch wurde das Herzogtum Schlesien von Friedrich II. von Preußen annektiert. Das ererbte Herzogtum Lothringen hatte Franz Stephan bei der Heirat auf Druck Frankreichs gegen das Großherzogtum Toskana abtauschen müssen. Trotzdem konnte er 1745 als Franz I. Kaiser werden, weil er im Reich noch die kleine Grafschaft Falkenstein besaß. Zu seinem Erbe gehörte außerdem der obsolet gewordene Titel König von Jerusalem.

Herrschaft

Wappen Habsburg-Österreich-Lothringen auf Doppeladler (1815)

Außer Maria Theresia regierten in den verbliebenen Staaten des Hauses Österreich von 1745 bis 1918 insgesamt sieben männliche Mitglieder der Dynastie, die unter anderen die Titel Römischer Kaiser (bis 1806) bzw. Kaiser von Österreich (ab 1804), König von Ungarn und Böhmen sowie Erzherzog von Österreich trugen:

  • Franz I., 1745–1765 als Mitregent Maria Theresias
  • Joseph II., 1765–1780 als Mitregent Maria Theresias, 1780–1790 als Alleinherrscher
  • Leopold II., Bruder Josephs II., 1790–1792
  • Franz II./I., Sohn Leopolds II., 1792–1835
  • Ferdinand I., Sohn von Franz II./I., 1835–1848
  • Franz Joseph I., Neffe Ferdinands I., 1848–1916
  • Karl I./IV., Großneffe Franz Josephs I., 1916–1918

Das 1804 als Einheitsstaat gegründete Kaisertum Österreich wurde nach der Niederlage im Preußisch-Österreichischen Krieg 1867 in die Realunion Österreich-Ungarn (inoffiziell k. u. k. Doppelmonarchie) umgewandelt.

Weibliche Mitglieder des Erzhauses heirateten in zahlreiche europäische Herrscherdynastien ein. So bestiegen Marie-Antoinette als Königin sowie Marie-Louise als Kaiserin den Thron Frankreichs, Maria Carolina als Königin die Throne Neapels und Siziliens und Maria Leopoldina als Kaiserin den Thron Brasiliens.

Ende der Herrschaft

Die Realunion wurde vom Königreich Ungarn wenige Tage vor dem Ende des Ersten Weltkriegs per 31. Oktober 1918 aufgekündigt. Kaiser Karl I. verzichtete in Wien am 11. November 1918 „auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften“. Als König Karl IV. von Ungarn leistete er am 13. November 1918 auf Schloss Eckartsau ebensolchen Verzicht. Da der Kaiser nicht abdanken wollte, wurde er nach seiner Ausreise in die Schweiz am 3. April 1919 im österreichischen Habsburgergesetz auf Dauer des Landes verwiesen.

Als Karl in Ungarn 1921 zweimal versuchte, den Königsthron wieder einzunehmen, wurde er von der Triple-Entente, den Siegern des Ersten Weltkrieges, nach Madeira verbannt. In Ungarn wurde die Dynastie mit dem 1921 beschlossenen Dethronisationsgesetz auf Dauer vom Königsthron entfernt (der in der Folge unbesetzt blieb).

Herrschaftsansprüche

Karls I. Sohn Otto von Habsburg (1912–2011) bezeichnete sich in seinen jüngeren Jahren als Erzherzog von Österreich, wurde als Thronprätendent wahrgenommen und führte im Zweiten Weltkrieg in den USA Gespräche über die Zukunft des Landes. Für ihn galt die Regel des Habsburgergesetzes, dass er nur nach Verzicht auf Herrschaftsansprüche nach Österreich einreisen dürfe. Er richtete 1961 seine Verzichtserklärung an die Bundesregierung und durfte Österreich seit 1966 betreten. 2007 gab Otto Habsburg-Lothringen, so sein amtlicher Name in Österreich, seine Funktion als Familienoberhaupt an seinen Sohn Karl Habsburg-Lothringen (* 1961) weiter; Herrschaftsansprüche sind damit nicht mehr verbunden.

Nicht ebenbürtige Familienmitglieder

Als „nicht ebenbürtig“ wurden nach dem Allerhöchsten Familienstatut (siehe Kaiserlich österreichisches Familienstatut) Familienmitglieder bezeichnet, die auf die morganatische Ehe eines Erzherzogs mit einer nicht standesgemäßen Frau zurückgingen (standesgemäß waren nur Frauen aus regierenden oder ehemals regierenden Häusern). Bekannt sind vor allem folgende Fälle:

  • Erzherzog Johann, Sohn Leopolds II. und Bruder Franz' II./I., heiratete 1829 die steirische Postmeisterstochter Anna Plochl. Beider Sohn Franz wurde 1844 von Johanns Neffen Ferdinand I. als Graf von Meran nobilitiert, Anna Plochl, seit 1834 Freifrau von Brandhofen, 1850 von Franz Joseph I. zur Gräfin von Meran erhoben. Der Dirigent Nikolaus Harnoncourt stammte aus dieser Familie.
  • Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand heiratete im Jahr 1900 nach heftigem Widerstand von Franz Joseph I. die böhmische Gräfin Sophie Chotek von Chotkowa und Wognin. Er hatte für seine drei in den nächsten Jahren geborenen Kinder in einem feierlichen „Renunziationsakt“ auf alle Thronfolgerechte zu verzichten. Gräfin Chotek wurde zur Fürstin, 1909 zur Herzogin von Hohenberg erhoben. Sie wurde mit Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo ermordet.
  • Franz Ferdinands Bruder, Erzherzog Ferdinand Karl, heiratete 1909 in der Schweiz heimlich die Professorentochter Berta Czuber. Im Jahr 1911 schied er gezwungenermaßen aus dem Haus Habsburg-Lothringen aus und nannte sich dann Ferdinand Burg.
  • Erzherzog Johann Salvator von Österreich-Toskana bat nach glänzender Militärkarriere 1889 um Entlassung aus dem Kaiserhaus und nannte sich nun Johann Orth. Er heiratete im selben Jahr in London die Wiener Hofoperntänzerin Milli Stubel, kaufte ein Schiff und ging mit seiner Frau auf Seereise nach Südamerika. Im Jahr 1890 sank das Schiff vermutlich im Sturm, wobei das kinderlose Ehepaar starb.

Ein vergleichbarer Fall eines weiblichen Familienmitgliedes war die morganatische Ehe der Erzherzogin Marie-Louise von Österreich, Herzogin von Parma und Piacenza, die nach dem Ableben Napoleons I. Graf Adam Albert von Neipperg ehelichte, woraus das Haus Montenuovo hervor ging.

Dynastiewappen

Das 1806 festgelegte Hauswappen der Dynastie Habsburg-Lothringen ist zweimal gespalten; vorn auf goldenem Grund ein blaugekrönter, blaubewehrter und blaugezungter roter Löwe (Habsburg), mittig auf rotem Grund ein silberner Balken (Österreich, Bindenschild, Rot-Weiß-Rot), hinten auf goldenem Grund ein roter Schrägbalken, der Richtung des Balkens nach belegt mit drei silbernen gestümmelten Adlern (Lothringen). Das Wappen wurde auf kaiserlichem Doppeladler geführt und war in dieser Form neben seiner Funktion als Familienwappen seit 1806 auch das „kleine Wappen“ des Kaisertums Österreich.

Siehe auch

Literatur

  • Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger, Ein biographisches Lexikon, unveränderte Neuauflage der 1988 erschienenen Ausgabe, Wien u. München 2001, ISBN 3-85002-445-8.
  • Eduard Hlawitschka: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen, Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert (Veröffentlichungen der Kommission für saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, Band IV), Saarbrücken 1969.
  • Dietmar Pieper, Johannes Saltzwedel (Hrsg.): Die Welt der Habsburger. Glanz und Tragik eines europäischen Herrscherhauses. DVA, München 2010, ISBN 978-3-421-04476-1.
  • Karl Vocelka: Die Familien Habsburg und Habsburg-Lothringen- Politik - Kultur - Mentalität. Böhlau, Wien 2010, ISBN 978-3-205-78568-2.
  • Adam Wandruszka: Das Haus Habsburg. Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Herder, Wien 1989, ISBN 3-210-24569-X.