Daallo-Airlines-Flug 159

Daallo-Airlines-Flug 159

Der vom Zwischenfall betroffene Airbus A321-111 (SX-BHS), 2013

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Bombenanschlag
Ort Nahe Flughafen Mogadischu, Somalia Somalia
Datum 2. Februar 2016
Todesopfer 1
Überlebende 80
Verletzte 2[1]
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Airbus A321-111
Betreiber Daallo Airlines
Kennzeichen SX-BHS
Abflughafen Flughafen Mogadischu, Somalia Somalia
Zielflughafen Flughafen Dschibuti, Dschibuti Dschibuti
Passagiere 74
Besatzung 7
Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen

Daallo-Airlines-Flug 159 (Flugnummer: D3159 beziehungsweise DAO159) war ein Linienflug der dschibutischen Fluggesellschaft Daallo Airlines von Mogadischu nach Dschibuti, auf dem sich am 2. Februar 2016 kurz nach dem Start eine Explosion ereignete, die ein Loch in die Rumpfhülle des Airbus[2] riss. Die Piloten, einer davon Vlatko Vodopivec, drehten um und landeten das Flugzeug ohne weitere Zwischenfälle nach rund 30 Minuten wieder in Mogadischu.[2][3][4]

Flugzeug

Bei der Unfallmaschine handelt es sich um einen Airbus A321-111 mit dem Kennzeichen SX-BHS, der am 6. Januar 1997 seinen Erstflug absolvierte, dann an den Leasing-Konzern ILFC ausgeliefert und an Swissair vermietet wurde. Seit 2014 ist er von Hermes Airlines an Daallo Airlines verleast. Der A321 ist mit zwei CFM56-Triebwerken ausgestattet.[5]

Ablauf

Die Maschine hob mit 74 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord in Mogadischu ab und ging in den Steigflug über. Rund fünf Minuten nach dem Start ereignete sich in der Kabine eine Bombenexplosion, die oberhalb der Tragflächenwurzel ein etwa ein mal zwei Meter großes Loch in die rechte Seite des Airbus riss und ein Feuer auslöste. Sie verursachte außerdem schwere Beschädigungen in der Kabine. Zum Zeitpunkt der Explosion befand sich der Airbus A321 in einer Flughöhe von 3350 Metern MSL.[6] Die Piloten kehrten um und vollzogen 30 Minuten später eine Notlandung auf dem Flughafen Mogadischu.[7] Durch die Explosion wurden zwei Passagiere leicht verletzt.[8]

Der Attentäter starb und wurde durch das Loch aus der Kabine gesogen.[9][10] Bewohner des Dorfes Dhiiqaaley in Bal’ad berichteten, dass sie einen brennenden[11] Körper vom Himmel fallen sahen.[2][3] Seine Leiche wurde ungefähr 30 km nördlich von Mogadischu gefunden.[12]

Ermittlungen

Nach unterschiedlichen Quellen gingen die somalischen Behörden anfänglich entweder von einem Selbstmordanschlag[3] oder einer Sauerstoffflasche als Ursache für die Explosion aus.[2]

Berichten vom 4. Februar zufolge soll der Täter als Rollstuhlfahrer strenge Sicherheitschecks umgangen haben. Bei der herausgeschleuderten Leiche soll es sich um den 55-jährigen Abdullahi Abdisalam Borleh aus Somaliland handeln.[13] Auf einer Aufnahme der Überwachungskameras des Flughafens Mogadischus ist sichtbar, wie zwei Personen dem vermutlichen Attentäter ein Notebook übergeben. Dabei trug eine Person eine Jacke des Sicherheitsdienstes.[14] Zwei Tage später wurde bestätigt, dass es sich bei der Person im Rollstuhl um den Attentäter handelt, der bei der Explosion starb. Es wurden 20 Personen im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen.[10][15] Sicherheitskräfte vermuten die al-Shabaab-Miliz als Drahtzieher der Explosion. Am 13. Februar 2016 bekannte sich al-Shabaab in einer E-Mail zu dem Bombenanschlag. In der E-Mail erklärte al-Shabaab, dass der Anschlag eine Vergeltung für die „Verbrechen der westlichen Kreuzritter gegen die Muslime in Somalia“ sei.[15][16] Die Miliz erklärte, mit dem Anschlag habe sie die Fluggesellschaft Turkish Airlines treffen wollen, da die NATO die Maßnahmen in Somalia unterstütze. 70 der Passagiere des Fluges kamen von einem Flug dieser Linie, der wenige Stunden zuvor wegen schlechten Wetters abgesagt worden war.[15]

Folgen

Nach dem Zwischenfall ist der Flughafen Mogadischu wegen ungenügender Sicherheitsstandards in die Kritik geraten. Nach Angaben des Piloten Vlatko Vodopivec befanden sich am Boden ständig 20 bis 30 Personen um das Flugzeug, ohne dass ersichtlich war, ob es sich bei den Leuten um autorisiertes Bodenpersonal handelte. Daallo Airlines fliegt bis auf weiteres nicht mehr nach Mogadischu.[14] Das Flugzeug wurde im August 2016 nach Amman überführt und ist seitdem dort eingelagert.[17]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  2. a b c d Accident: Daallo A321 near Mogadishu on Feb 2nd 2016, explosion rips fuselage open. In: avherald.com. The Aviation Herald, abgerufen am 30. Juli 2019 (englisch).
  3. a b c Somalia: Explosion reißt Loch in Airbus A321. In: aerotelegraph.com. 2016, abgerufen am 30. Juli 2019.
  4. Mogadischu bestätigt Attentat. diepresse.com, 7. Februar 2016, abgerufen am 8. Februar 2016.
  5. Airfleets.net. In: airfleets.net. Abgerufen am 30. Juli 2019 (englisch).
  6. Bombe oder nicht?: Verwirrung um Explosion in somalischem Airbus. In: aerotelegraph.com. 2016, abgerufen am 30. Juli 2019.
  7. Associated Press: Somalia plane blast: airport worker 'handed device to bombing suspect'. In: The Guardian. 8. Februar 2016, ISSN 0261-3077 (theguardian.com).
  8. Press Release for Flight D3 159. In: daallo.com. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Februar 2019; abgerufen am 30. Juli 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.daallo.com
  9. Passagier nach Explosion aus Flugzeug gezogen und getötet. In: kurier.at. Kurier, 3. Februar 2016, abgerufen am 30. Juli 2019.
  10. a b FOCUS Online: Jetzt offiziell: Mogadischu-Attentäter sprengte sich selbst aus dem Flugzeug. In: focus.de. FOCUS Online, 6. Februar 2016, abgerufen am 30. Juli 2019.
  11. Airline CEO: Explosive residue found in Somalia incident (Memento vom 6. Februar 2016 im Internet Archive) (englisch), abgerufen am 6. Februar 2016
  12. Jason Burke: Explosion on flight from Somalia was caused by bomb, sources say. In: The Guardian. 3. Februar 2016, ISSN 0261-3077 (theguardian.com).
  13. Morgan Winsor: Somalia Daallo Airlines Explosion: Wheelchair Passenger Suspected As Suicide Bomber. In: ibtimes.com. International Business Times, 4. Februar 2016, abgerufen am 30. Juli 2019.
  14. a b Vorwürfe: Chaotische Zustände am Flughafen Mogadishu. In: aerotelegraph.com. 2016, abgerufen am 30. Juli 2019.
  15. a b c Al-Shabab 'carried out' Somalia plane attack. BBC News, 13. Februar 2016, abgerufen am 13. Februar 2016 (englisch).
  16. Al-Shabaab claims responsibility for bombing that left hole in Airbus A321. The Guardian, 13. Februar 2016, abgerufen am 14. Februar 2016 (englisch): „Harakat al-Shabaab al Mujahideen carried out the bombing as a retribution for the crimes committed by the coalition of western crusaders and their intelligence agencies against the Muslims of Somalia,“
  17. Harro Ranter: Flugunfall 02 FEB 2016 einer Airbus A321-111 SX-BHS – Mogadishu International Airport (MGQ). Abgerufen am 29. Januar 2019.