„St. Lorenz (Erfurt)“ – Versionsunterschied

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[[Datei:Erfurt - Lorenzkirche (2).jpg|mini|Römisch-Katholische Kirche St. Lorenz in der Erfurter Innenstadt]]
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Die [[Römisch-katholische Kirche|römisch-katholische]] [[Pfarrkirche]] '''St. Lorenz''' steht in der [[Altstadt (Erfurt)|Altstadt]] der [[Thüringen|thüringischen]] Landeshauptstadt [[Erfurt]]. Sie ist die Pfarrkirche der [[Pfarrei]] St. Laurentius Erfurt im [[Dekanat Erfurt]] des [[Bistum Erfurt|Bistums Erfurt]].<ref>{{Internetquelle |url=https://www.bistum-erfurt.de/pfarreien/#c4265 |titel=Pfarreien Bistum Erfurt |abruf=2022-12-02}}</ref> Sie trägt das [[Patrozinium]] des heiligen [[Laurentius von Rom]].
[[Datei:Erfurt_-_Lorenzkirche_(2).jpg|miniatur|hochkant|Lorenzkirche]]

Die '''Lorenzkirche''' ist eine [[Römisch-katholische Kirche|römisch-katholische]] [[Pfarrkirche]] im Zentrum der [[Erfurt-Altstadt|Altstadt]] von [[Erfurt]]. Sie liegt am Nordrand des [[Anger (Erfurt)|Angers]] und am Beginn der [[Schlösserstraße (Erfurt)|Schlösserstraße]].
== Lage ==
Sie steht am Nordrand des [[Anger (Erfurt)|Angers]], am Beginn der [[Schlösserstraße (Erfurt)|Schlösserstraße]].


== Geschichte ==
== Geschichte ==
[[Datei:Lorenzkirche Erfurt Tafel Friedensgebete.JPG|mini|Gedenktafel Beginn der Friedensgebete 1978]]
Die Lorenzkirche wurde 1138 durch den [[Kurmainz|Mainzer]] [[Vitztum]] Giselbert 1138 gestiftet. Der Bau der Kirche erfolgte um 1140. Sie wurde vom damaligen Erfurter Propst und späteren Mainzer Erzbischof Adelbert II geweiht und war seit ihrer Gründung Pfarrkirche. Der Urbau war romanisch, von dem fast nichts mehr erhalten ist. Ein zweiter Bau wurde vermutlich Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts in gotischem Stil aufgeführt, der nach einem Brand im Jahr 1413 nochmals verändert wurde. Aus der bis dahin einschiffigen Kirche wurde durch Anbau an der Nordseite eine zweischiffige Kirche. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die bis dahin gerade Ostwand durchbrochen. Von den ursprünglichen drei Fenstern wurden zwei in die neu entstandene Apsis wieder eingebaut. Damit wurde der heutige bauliche Zustand der Kirche erreicht.
Die Lorenzkirche wurde 1138 durch den [[Kurmainz|Mainzer]] [[Vitztum]] Giselbert gestiftet. Der Bau der Kirche erfolgte um 1140. Sie wurde vom damaligen Erfurter [[Propst]] und späteren Mainzer Erzbischof Adelbert&nbsp;II. geweiht und war seit ihrer Gründung Pfarrkirche und direkt dem Mainzer Bischof unterstellt. Von dem [[Romanik|romanischen]] Urbau ist nahezu nichts mehr erhalten.


Ein zweiter Bau wurde vermutlich Ende des 13.&nbsp;bis Anfang des 14.&nbsp;Jahrhunderts in [[Gotik|gotischem]] Stil ausgeführt. 1316 wurden wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem neu Bau zwei Altäre geweiht. Ab 1318 war die Kirche bis zur Reformation an das verarmte Reglerkloster angeschlossen. Nach einem Brand im Jahr 1413 nochmals verändert wurde. Aus der bis dahin [[Kirchenschiff|einschiffigen]] Kirche wurde durch Anbau an der Nordseite eine zweischiffige und die Südwand wurde in ihre heutige Erscheinungsform gebracht.
Schutzpatrone der Kirche sind der hl. Laurentius, der der Kirche den Namen gab, und der hl. Wenzeslaus. Ihre Statuen flankieren das Südportal der Kirche.


Zwischen 1664 und 1773 wurde die Kirche durch die gegenüber im [[Jesuitenkolleg Erfurt|Jesuitenkolleg]] ansässigen Jesuiten mitgenutzt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.basenio.de/ratgeber/freizeit/lorenzkirche-erfurt-schottenkirche-ursulinenkloster-oeffnungszeiten-608/ |titel=Informationen Geschichte und zur Nutzung durch die Jesuiten |abruf=2022-11-01}}</ref>
Für die Geschichte der Erfurter Grabplastik sind die Epitaphien an der südlichen Außenseite und drei große Plastiken im Kircheinneren von Bedeutung. Darüber hinaus befinden sich im Kircheninneren ein gotischer Flügelaltar und figürliche Heiligendarstellungen des hohen und späten Mittelalters, u.a. eine seltene Christusdarstellung aus Sandstein an einer der Säulen.


Zwischen 1888 und 1893 wurde, im Rahmen einer umfangreichen Restaurierung, die Ostwand durchbrochen und eine neue [[polygon]]ale [[Apsis]] angebaut. Die drei Fenster die dem Durchbruch zum Opfer fielen wurden zum Teil in die neue Apsis eingesetzt. Damit wurde der heutige bauliche Zustand der Kirche erreicht.
Während des 2. Weltkriegs erlitt die Kirche durch Bomben- und Luftmineneinschläge in unmittelbarer Nähe erhebliche Schäden an Dach und Fenstern. Einem Bombenangriff in den Vormittagsstunden des 20. Juli 1944 wäre sie fast zum Opfer gefallen. Unmittelbar vor dem Südeingang zur Kirche war eine Brandbombe niedergegangen. Das ausbrechende Feuer hat der damalige Pfarrer Busch noch während des Angriffs gelöscht.


1925 wurde die heutige Sakristei angebaut.
Zwischen 1664 und 1773 wurde die Kirche durch die gegenüber im [[Jesuitenkolleg Erfurt|Jesuitenkolleg]] ansässigen Jesuiten mitgenutzt.
<!--Während der [[Luftangriffe auf Erfurt]] im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] erlitt die Kirche durch [[Bombe]]n- und [[Luftmine]]neinschläge in unmittelbarer Nähe erhebliche Schäden an Dach und Fenstern. Einem Bombenangriff in den Vormittagsstunden des 20.&nbsp;Juli 1944 wäre sie fast zum Opfer gefallen. Unmittelbar vor dem Südeingang zur Kirche war eine [[Brandbombe]] niedergegangen. Das ausbrechende Feuer löschte der damalige Pfarrer Busch noch während des Angriffs. Beleg?-->


Nach dem [[II. Vatikanum]] in den Jahren 1965 bis 1966 wurde die Kirche entsprechend den neuen Regelungen umgestaltet.


In der Lorenzkirche als erster Kirche in der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] fanden bereits seit 1978 [[Ökumenische Bewegung|ökumenische]] [[Friedensgebete in der DDR|Friedensgebete]] statt. Am 9.&nbsp;November 2019 wurde eine Tafel an der Mauer zur Schlösserstraße angebracht. Sie erinnert daran, dass sich die ersten Gebete „gegen die Einführung des schulischen Wehrunterrichts durch die damalige SED-Diktatur“ richteten. Die Kirche war im Oktober 1989 auch Ausgangspunkt eines ersten Zuges von 70 Menschen zur [[Andreaskirche (Erfurt)|Andreaskirche]], direkt gegenüber von der Bezirksverwaltung des [[Ministerium für Staatssicherheit|Ministeriums für Staatssicherheit]]. Daraus entwickelten sich rasch die Donnerstagsdemonstrationen in Erfurt zur Zeit der [[Wende und friedliche Revolution in der DDR|Friedlichen Revolution]] mit Zehntausenden von Teilnehmern.<ref>Evi Baumeister: ''Gang der Betroffenen. Wie die Friedensgebete in der Erfurter Lorenzkirche den 89ern Kraft gaben.'' In: ''Thüringische Landeszeitung.'' 11.&nbsp;Juli 2009.</ref>
Im Turm befinden sich eine Glocke von 1445 sowie zwei von 1962.


Die letzte umfassende Renovierung fand 1996 statt. Seit 2017 ist St. Lorenz die Pfarrkirche der Innenstadt-Pfarrei.<ref name="Geschichte">{{Internetquelle |url=https://www.st-laurentius-erfurt.de/orte-kirchen/st-lorenz/geschichte-st-lorenz/ |titel=St. Lorenz, Pfarrkirche, Friedensgebete seit 1978 |hrsg=Katholische Kirchengemeinde St.&nbsp;Laurentius Erfurt |abruf=2022-06-01}}</ref><ref>{{Internetquelle |url=https://www.bistum-erfurt.de/presse_archiv/nachrichtenarchiv/detail/die_aelteste_pfarrkirche_der_stadt/ |titel=Die älteste Pfarrkirche der Stadt |hrsg=Bistum Erfurt |abruf=2022-11-01}}</ref> Etwa einmal monatlich findet in der Kirche ein [[Nightfever]]-Abend statt.
In der Lorenzkirche als erster Kirche in der [[DDR]] fanden bereits seit 1978 [[Ökumenische Bewegung|ökumenische]] [[Frieden]]sgebete statt. Sie war im Oktober 1989 auch Ausgangspunkt eines ersten Zuges von 70 Menschen zur [[Andreaskirche (Erfurt)|Andreaskirche]], direkt gegenüber von der Bezirksverwaltung des [[Ministerium für Staatssicherheit|Ministeriums für Staatssicherheit]] (MfS). Daraus entwickelten sich rasch die [[Donnerstagsdemonstrationen]] in Erfurt zur Zeit der [[Friedliche Revolution|Friedlichen Revolution]] mit Zehntausenden von Teilnehmern.<ref> Evi Baumeister: „Gang der Betroffenen. Wie die Friedensgebete in der Erfurter Lorenzkirche den 89ern Kraft gaben“. Thüringische Landeszeitung, 11. Juli 2009</ref>


== Einzelnachweise ==
== Architektur ==
Schutzpatrone der Kirche sind der [[Laurentius von Rom|Hl.&nbsp;Laurentius]], der der Kirche den Namen gab, und der [[Wenzel von Böhmen|Hl.&nbsp;Wenzeslaus]]. Ihre Statuen flankieren das Süd-Portal der Kirche.<ref name="Geschichte" />
<references/>
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Erfurt kosciol sw Wawrzynca 09.jpg|West-Portal
2022 Lorenzkirche 4.jpg|Süd-Portal
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== Ausstattung ==
Die [[Epitaph]]ien an der südlichen Außenseite stammen aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus befinden sich im Kircheninneren ein gotischer [[Flügelaltar]], figürliche Heiligendarstellungen des hohen und späten Mittelalters, eine seltene Christusdarstellung aus Sandstein an einer der Säulen und ein spätgotischer [[Taufstein]].<ref>{{Internetquelle |url=https://www.touren-lutherland-thueringen.de/de/punkt/religioese-einrichtung/lorenzkirche/19005250/ |titel=Informationen Epitaphien |abruf=2022-11-01}}</ref>
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Erfurt Lorenzkirche Epitaph Hans Gunter Podewitz 1581.jpg|Epitaph
Erfurt St. Laurentius 02.jpg|Gotischer Flügelaltar
Lorenzkirche Erfurt 20200909 0281.jpg|Christusstatue
Lorenzkirche Erfurt 20200909 0284.jpg|Spätgotischer Taufstein
Erfurt Lorenzkirche innen1.jpg|Innenansicht
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== Orgel ==
[[Datei:Erfurt St. Laurentius 03.jpg|mini|Klais-Orgel]]
Die [[Orgel]] mit 27 [[Register (Orgel)|Registern]], verteilt auf 3 [[Manual (Musik)|Manuale]] und [[Pedal (Orgel)|Pedal]], wurde 1935 von [[Johannes Klais Orgelbau|Orgelbau Klais]] gebaut. 2023 erfolgte durch [[Orgelbau Kutter]] eine umfangreiche Überholung und eine leichte Umdisponierung. Die [[Disposition (Orgel)|Disposition]] lautet wie folgt:<ref>{{Internetquelle |url=https://orgelbau-kutter.de/portfolio/erfurt_lorenz |titel=Informationen zur Orgel |werk=orgelbau-kutter.de |sprache=de | zugriff=2023-10-16}}</ref>

=== Disposition ab 2023 ===
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|colspan="2"| '''I&nbsp;Hauptwerk''' C–g<sup>3</sup>
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| Principal || 8′
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| Gemshorn || 8′
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| Octave || 4′
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| Koppelflöte || 4′
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| Rohrquinte || {{Bruch|2|2|3}}′
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| Rohrflöte || 8′
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| Viol d’Amor || 8′
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| Salicional || 8′
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| Blockflöte || 4′
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| Schwegel || 2′
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| Sesquialter II ||
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| Violdigamba || 8′
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| Sing. Princ. || 4′
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| Progressio III-IV ||
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| Trompete || 8′
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| ''[[Tremulant|Tremolo]]''
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| Principalbass || 16′
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| Subbass || 16′
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| Octavbass || 8′
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| Gedacktbass || 8′
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| Choralbass || 4′
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| Bassflöte || 4′
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| Flachflöte || 2′
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| Posaune || 16′
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* ''[[Koppel (Orgel)|Koppeln]]:''
** ''Normalkoppeln:'' II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
** ''Superoktavkoppeln:'' III/I<ref group="A.">Schwellwerk bis g<sup>4</sup> ausgebaut</ref>
** ''Suboktavkoppeln:'' II/I, III/I
* ''[[Spielhilfen]]:'' elektrische [[Kombination (Orgel)|Setzeranlage]], Walze, Zungeneinzelabsteller
* Anmerkungen
<references group="A."/>

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<div class="NavHead hintergrundfarbe5" style="text-align:left;">Disposition bis 2023</div>
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|colspan="2"| '''I&nbsp;Hauptwerk''' C–g<sup>3</sup>
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| Principal || 8′
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| Gemshorn || 8′
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| Octave || 4′
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| Koppelflöte || 4′
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| Dulcian || 16′
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|colspan="2"| '''II&nbsp;Positiv''' C–g<sup>3</sup>
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| Rohrflöte || 8′
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| Salicional || 8′
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| Blockflöte || 4′
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| Schwegel || 2′
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| Sesquialter II ||
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| Cymbel II-III ||
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| Krummhorn || 8′
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|colspan="2"| '''III&nbsp;Schwellwerk''' C–g<sup>3</sup>
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| Holzflöte || 8′
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| Violdigamba || 8′
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| Sing. Princ. || 4′
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| Progressio III-IV ||
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| Trompete || 8′
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| ''[[Tremulant|Tremolo]]''
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|colspan="2"| '''Pedalwerk''' C–f<sup>1</sup>
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| Principalbass || 16′
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| Subbass || 16′
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| Octavbass || 8′
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| Gedacktbass || 8′
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| Choralbass || 4′
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| Flachflöte || 2′
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| Posaune || 16′
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* ''[[Koppel (Orgel)|Koppeln]]:''
** ''Normalkoppeln:'' II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
** ''Superoktavkoppeln:'' III/I<ref group="A.">Schwellwerk bis g<sup>4</sup> ausgebaut</ref>
** ''Suboktavkoppeln:'' II/I, III/I
* ''[[Spielhilfen]]:'' elektrische [[Kombination (Orgel)|Setzeranlage]], Walze, Zungeneinzelabsteller
* Anmerkungen
<references group="A."/>
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== Weblinks ==
== Weblinks ==
{{Commonscat}}
{{commonscat|Lorenzkirche (Erfurt)}}
* [http://www.st-lorenz-erfurt.de/ Internetauftritt der Pfarrei St. Lorenz Erfurt]
* [https://www.st-laurentius-erfurt.de Webpräsenz der Pfarrei St.&nbsp;Laurentius]

== Einzelnachweise ==
<references />


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{{Navigationsleiste Kirchen in Erfurt}}


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[[Kategorie:Gotisches Bauwerk in Erfurt]]
[[Kategorie:Pfarrkirche des Bistums Erfurt|Erfurt, Lorenz]]
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[[Kategorie:Anger (Erfurt)]]
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[[Kategorie:Gotische Kirche]]
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[[Kategorie:Gotisches Bauwerk in Erfurt|Lorenz]]
[[Kategorie:Gotische Kirche|Erfurt]]
[[Kategorie:Anger (Erfurt)|Lorenz]]
[[Kategorie:Schlösserstraße (Erfurt)|Lorenz]]
[[Kategorie:Kulturdenkmal in Erfurt|Lorenz]]
[[Kategorie:Disposition einer Orgel]]

Aktuelle Version vom 26. Juni 2024, 18:17 Uhr

Römisch-Katholische Kirche St. Lorenz in der Erfurter Innenstadt

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Lorenz steht in der Altstadt der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Sie ist die Pfarrkirche der Pfarrei St. Laurentius Erfurt im Dekanat Erfurt des Bistums Erfurt.[1] Sie trägt das Patrozinium des heiligen Laurentius von Rom.

Lage

Sie steht am Nordrand des Angers, am Beginn der Schlösserstraße.

Geschichte

Gedenktafel Beginn der Friedensgebete 1978

Die Lorenzkirche wurde 1138 durch den Mainzer Vitztum Giselbert gestiftet. Der Bau der Kirche erfolgte um 1140. Sie wurde vom damaligen Erfurter Propst und späteren Mainzer Erzbischof Adelbert II. geweiht und war seit ihrer Gründung Pfarrkirche und direkt dem Mainzer Bischof unterstellt. Von dem romanischen Urbau ist nahezu nichts mehr erhalten.

Ein zweiter Bau wurde vermutlich Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts in gotischem Stil ausgeführt. 1316 wurden wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem neu Bau zwei Altäre geweiht. Ab 1318 war die Kirche bis zur Reformation an das verarmte Reglerkloster angeschlossen. Nach einem Brand im Jahr 1413 nochmals verändert wurde. Aus der bis dahin einschiffigen Kirche wurde durch Anbau an der Nordseite eine zweischiffige und die Südwand wurde in ihre heutige Erscheinungsform gebracht.

Zwischen 1664 und 1773 wurde die Kirche durch die gegenüber im Jesuitenkolleg ansässigen Jesuiten mitgenutzt.[2]

Zwischen 1888 und 1893 wurde, im Rahmen einer umfangreichen Restaurierung, die Ostwand durchbrochen und eine neue polygonale Apsis angebaut. Die drei Fenster die dem Durchbruch zum Opfer fielen wurden zum Teil in die neue Apsis eingesetzt. Damit wurde der heutige bauliche Zustand der Kirche erreicht.

1925 wurde die heutige Sakristei angebaut.

Nach dem II. Vatikanum in den Jahren 1965 bis 1966 wurde die Kirche entsprechend den neuen Regelungen umgestaltet.

In der Lorenzkirche als erster Kirche in der DDR fanden bereits seit 1978 ökumenische Friedensgebete statt. Am 9. November 2019 wurde eine Tafel an der Mauer zur Schlösserstraße angebracht. Sie erinnert daran, dass sich die ersten Gebete „gegen die Einführung des schulischen Wehrunterrichts durch die damalige SED-Diktatur“ richteten. Die Kirche war im Oktober 1989 auch Ausgangspunkt eines ersten Zuges von 70 Menschen zur Andreaskirche, direkt gegenüber von der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit. Daraus entwickelten sich rasch die Donnerstagsdemonstrationen in Erfurt zur Zeit der Friedlichen Revolution mit Zehntausenden von Teilnehmern.[3]

Die letzte umfassende Renovierung fand 1996 statt. Seit 2017 ist St. Lorenz die Pfarrkirche der Innenstadt-Pfarrei.[4][5] Etwa einmal monatlich findet in der Kirche ein Nightfever-Abend statt.

Architektur

Schutzpatrone der Kirche sind der Hl. Laurentius, der der Kirche den Namen gab, und der Hl. Wenzeslaus. Ihre Statuen flankieren das Süd-Portal der Kirche.[4]

Ausstattung

Die Epitaphien an der südlichen Außenseite stammen aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus befinden sich im Kircheninneren ein gotischer Flügelaltar, figürliche Heiligendarstellungen des hohen und späten Mittelalters, eine seltene Christusdarstellung aus Sandstein an einer der Säulen und ein spätgotischer Taufstein.[6]

Orgel

Klais-Orgel

Die Orgel mit 27 Registern, verteilt auf 3 Manuale und Pedal, wurde 1935 von Orgelbau Klais gebaut. 2023 erfolgte durch Orgelbau Kutter eine umfangreiche Überholung und eine leichte Umdisponierung. Die Disposition lautet wie folgt:[7]

Disposition ab 2023

I Hauptwerk C–g3
Principal8′
Gemshorn8′
Octave4′
Koppelflöte4′
Rohrquinte223
Mixtur IV
Dulcian16′
II Positiv C–g3
Rohrflöte8′
Viol d’Amor8′
Salicional8′
Blockflöte4′
Schwegel2′
Sesquialter II
Krummhorn8′
III Schwellwerk C–g3
Holzflöte8′
Violdigamba8′
Sing. Princ.4′
Progressio III-IV
Trompete8′
Tremolo
Pedalwerk C–f1
Principalbass16′
Subbass16′
Octavbass8′
Gedacktbass8′
Choralbass4′
Bassflöte4′
Flachflöte2′
Posaune16′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Superoktavkoppeln: III/I[A. 1]
    • Suboktavkoppeln: II/I, III/I
  • Spielhilfen: elektrische Setzeranlage, Walze, Zungeneinzelabsteller
  • Anmerkungen
  1. Schwellwerk bis g4 ausgebaut
Commons: St. Lorenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Pfarreien Bistum Erfurt. Abgerufen am 2. Dezember 2022.
  2. Informationen Geschichte und zur Nutzung durch die Jesuiten. Abgerufen am 1. November 2022.
  3. Evi Baumeister: Gang der Betroffenen. Wie die Friedensgebete in der Erfurter Lorenzkirche den 89ern Kraft gaben. In: Thüringische Landeszeitung. 11. Juli 2009.
  4. a b St. Lorenz, Pfarrkirche, Friedensgebete seit 1978. Katholische Kirchengemeinde St. Laurentius Erfurt, abgerufen am 1. Juni 2022.
  5. Die älteste Pfarrkirche der Stadt. Bistum Erfurt, abgerufen am 1. November 2022.
  6. Informationen Epitaphien. Abgerufen am 1. November 2022.
  7. Informationen zur Orgel. In: orgelbau-kutter.de. Abgerufen am 16. Oktober 2023.

Koordinaten: 50° 58′ 36,8″ N, 11° 2′ 0″ O