„Wenzel Hocke“ – Versionsunterschied

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Wenzel Hocke stammte aus der Familie eines Müllers und wuchs in der Neustadler unter der Obhut seiner Mutter auf. Er studierte Theologie und wurde 1756 im Leitmeritzer Dom um Priester geweiht. Er wirkte 13 Jahre an verschiedenen Orten als Kaplan. 1769 wurde er Pfarrer in [[Malá Bukovina|Kleinbocken]] bei [[Děčín|Tetschen]]. 1979 erhielt er die Ernennung zum Erzdechanten von Politz, nachdem sein Vorgänger J.K. Pitsch an der Pest gestorben war. Politz liegt nur wenige Kilometer von Hockes Geburtsort entfernt.
Wenzel Hocke stammte aus der Familie eines Müllers und wuchs in der Neustadler unter der Obhut seiner Mutter auf. Er studierte Theologie und wurde 1756 im Leitmeritzer Dom um Priester geweiht. Er wirkte 13 Jahre an verschiedenen Orten als Kaplan. 1769 wurde er Pfarrer in [[Malá Bukovina|Kleinbocken]] bei [[Děčín|Tetschen]]. 1979 erhielt er die Ernennung zum Erzdechanten von Politz, nachdem sein Vorgänger J.K. Pitsch an der Pest gestorben war. Politz liegt nur wenige Kilometer von Hockes Geburtsort entfernt.


Typisch für den neuen Erzdechanten war, dass er sich eines sehr spezifischen und bisweilen barschen Humors bediente, dessen Zielscheibe unter anderem der Leitmeritzer Bischof Ferdinand Kindermann mit dem Bischöflichen Konsistorium oder die Obrigkeit vom Politzer Schloss waren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hocke ein sorgloser Komiker gewesen wäre. Seinen sellsorgerischen Dienst in der Pfarrei leistete er gewissenhaft, davon zeugt der noch erhaltene Visitationsbericht von Bischof Kindermann, in dem es unter anderem heißt: ''"In der Kirche herrscht mustergültige Ortdnung und Sauberkeit ... die Schuljugend ist mustergültig unterrichtet"''.
Typisch für den neuen Erzdechanten war, dass er sich eines sehr spezifischen und bisweilen barschen Humors bediente, dessen Zielscheibe unter anderem der Leitmeritzer Bischof Ferdinand Kindermann mit dem Bischöflichen Konsistorium oder die Obrigkeit vom Politzer Schloss waren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hocke ein sorgloser Komiker gewesen wäre. Seinen seelsorgerischen Dienst in der Pfarrei leistete er gewissenhaft, davon zeugt der noch erhaltene Visitationsbericht von Bischof Kindermann, in dem es unter anderem heißt: ''"In der Kirche herrscht mustergültige Ortdnung und Sauberkeit ... die Schuljugend ist mustergültig unterrichtet"''.


Hocke forderte aber auch vehement die Rechte eines Politzer Erzdechanten ein. Politz war ein bekannter Marien-Wallfahrtsort und deshalb hatte der Erzdechant das Vorrecht der sogenannten "[[Inful]]", das Tragen von bischöflichen Insignien bei feierlichen Anlässen, aber dieses Privilegium wurde durch die Bischöfe nicht zu oft eingehalten. Bischof Kindermann, der über Hocke so nebenbei schrieb, dass er ''"ein Mensch mit außergewöhnlicher priesterlicher Reife"'' sei, versuchte den Erzdechanten damit zu beruhigen, dass er ihm 1797 zum bischöflichen Vikar ernannte. Schließlich gab er jedoch nach und Hocke wurde das Vorrecht der "Inful" bestätigt. Kindermanns Nachfolger ernannte Hocke 1807 zum [[Konsistorialrat]]. Ein Jahr später starb Hocke im Pfarrhaus von Politz, der trotz aller Ehrbezeugungen nie aufhörte, das Leben eines einfachen Pfarrers vom Land zu leben. Er wurde in Politz auf den Friedhof bei der Kirche zu Füßen des Friedhofkreuzes begraben, ein Ort, der als erhrenvollster Platz jedes Friedhofs gilt.
Hocke forderte aber auch vehement die Rechte eines Politzer Erzdechanten ein. Politz war ein bekannter Marien-Wallfahrtsort und deshalb hatte der Erzdechant das Vorrecht der sogenannten "[[Inful]]", das Tragen von bischöflichen Insignien bei feierlichen Anlässen, aber dieses Privilegium wurde durch die Bischöfe nicht zu oft eingehalten. Bischof Kindermann, der über Hocke so nebenbei schrieb, dass er ''"ein Mensch mit außergewöhnlicher priesterlicher Reife"'' sei, versuchte den Erzdechanten damit zu beruhigen, dass er ihm 1797 zum bischöflichen Vikar ernannte. Schließlich gab er jedoch nach und Hocke wurde das Vorrecht der "Inful" bestätigt. Kindermanns Nachfolger ernannte Hocke 1807 zum [[Konsistorialrat]]. Ein Jahr später starb Hocke im Pfarrhaus von Politz, der trotz aller Ehrbezeugungen nie aufhörte, das Leben eines einfachen Pfarrers vom Land zu leben. Er wurde in Politz auf den Friedhof bei der Kirche zu Füßen des Friedhofkreuzes begraben, ein Ort, der als erhrenvollster Platz jedes Friedhofs gilt.

Version vom 15. Juni 2008, 18:10 Uhr

Wenzel Hocke (* 8. Januar 1732 in Neustadl, † 1. März 1808 in Oberpolitz), volkstümlich bekannt als Hockewanzel, war katholischer Priester und seit 1779 Erzdechant in Politz. Er war sehr beliebt für seine Menschenfreundlichkeit und galt als Eulenspiegel im Priestergewande - ein Original, das im sudetendeutschen Raum seinesgleichen sucht. Über ihn erzählte man sich lustige Geschichten, die später auch Eingang in die Lieteratur fanden.

Leben

Wenzel Hocke stammte aus der Familie eines Müllers und wuchs in der Neustadler unter der Obhut seiner Mutter auf. Er studierte Theologie und wurde 1756 im Leitmeritzer Dom um Priester geweiht. Er wirkte 13 Jahre an verschiedenen Orten als Kaplan. 1769 wurde er Pfarrer in Kleinbocken bei Tetschen. 1979 erhielt er die Ernennung zum Erzdechanten von Politz, nachdem sein Vorgänger J.K. Pitsch an der Pest gestorben war. Politz liegt nur wenige Kilometer von Hockes Geburtsort entfernt.

Typisch für den neuen Erzdechanten war, dass er sich eines sehr spezifischen und bisweilen barschen Humors bediente, dessen Zielscheibe unter anderem der Leitmeritzer Bischof Ferdinand Kindermann mit dem Bischöflichen Konsistorium oder die Obrigkeit vom Politzer Schloss waren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hocke ein sorgloser Komiker gewesen wäre. Seinen seelsorgerischen Dienst in der Pfarrei leistete er gewissenhaft, davon zeugt der noch erhaltene Visitationsbericht von Bischof Kindermann, in dem es unter anderem heißt: "In der Kirche herrscht mustergültige Ortdnung und Sauberkeit ... die Schuljugend ist mustergültig unterrichtet".

Hocke forderte aber auch vehement die Rechte eines Politzer Erzdechanten ein. Politz war ein bekannter Marien-Wallfahrtsort und deshalb hatte der Erzdechant das Vorrecht der sogenannten "Inful", das Tragen von bischöflichen Insignien bei feierlichen Anlässen, aber dieses Privilegium wurde durch die Bischöfe nicht zu oft eingehalten. Bischof Kindermann, der über Hocke so nebenbei schrieb, dass er "ein Mensch mit außergewöhnlicher priesterlicher Reife" sei, versuchte den Erzdechanten damit zu beruhigen, dass er ihm 1797 zum bischöflichen Vikar ernannte. Schließlich gab er jedoch nach und Hocke wurde das Vorrecht der "Inful" bestätigt. Kindermanns Nachfolger ernannte Hocke 1807 zum Konsistorialrat. Ein Jahr später starb Hocke im Pfarrhaus von Politz, der trotz aller Ehrbezeugungen nie aufhörte, das Leben eines einfachen Pfarrers vom Land zu leben. Er wurde in Politz auf den Friedhof bei der Kirche zu Füßen des Friedhofkreuzes begraben, ein Ort, der als erhrenvollster Platz jedes Friedhofs gilt.

Beliebtheit nach dem Tod

Auch nach Hockes Tod verfücktigte sich sein Ruf nicht und die scherzhaften Erzählungen über seine Taten lebten über lange Jahre in den mündlichen Traditionen besonders unter den Sudetendeutschen. 1880 brachte Anton Nittel die Nacherzählungen in Buchform heraus. Die "Geschichten vom Hockewanzell" haben in den folgenden Jahrzehnten eine Reihe von weiteren Ausgaben erlebt.

Einige von Nittels Erzählungen wurden erst kürzlich in der Monatszeitschrift der Diözese Leitmeritz "Zdislava" und auch in der "Literarischen Zeitung" in tschechischer Übersetzung veröffentlicht.

Die Gestalt des Hockewanzel lieh sich auch der aus Leitmeritz stammende Schriftsteller Otfried Preußler aus für sein Buch "Die Flucht nach Ägypten Königlich böhmischer Teil" aus, das 1996 auch in tschechischer Übersetzung erschien.