Rail Baltica

Warschau – Tallinn (– Helsinki)
Strecke der Rail Baltica
Streckenlänge:Warschau–Tallinn ca. 870 km
Tallinn–Helsinki ca. 110 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:25 kV, 50 Hz[1] ~
Höchstgeschwindigkeit:240 km/h
Länder:Estland Estland
Finnland Finnland
Lettland Lettland
Litauen Litauen
Polen Polen
Verlaufsrichtung:Nord–Süd
Ausbau:zweigleisig,
elektrifiziert
Planungsstand Dez. 2019[2][3]
-112Güterbahnhof Helsinki
-106,53Flughafen Helsinki-Vantaa
-93,0Helsinki-Pasila
-89,3Helsinki Hauptbahnhof
Finnischer Meerbusen (Ostsee), finnisch-estnische Grenze
Hafengüterbahnhof Muuga
vom Hafengüterbahnhof Miiduranna (Breitspur)
Tallinn-Balti jaam (Breitspur)
vom Güterbahnhof Tallinn (Breitspur)
nach Paldiski (Breitspur)
nach Viljandi (Breitspur)
0,00Abstellanlage Tallinn
0,40Tallinn-Ülemiste
4,43Abstellbahnhof Tallinn
nach Narva, Tartu (Breitspur)
10,85Güterbahnhof Rae
14,57Assaku (mind. Notbahnsteig)
21,18Luige
27,17Saku
34,72Kurtna
39,25Kohila
Bahnstrecke nach Viljandi (Breitspur)
61,72Rapla
84,66Järvakandi
93,52Kaisma
111,06Tootsi
127,11Kilksama
Bahnstrecke von Lelle (Breitspur)
135,36Güterbahnhof Pärnu
Pärnu (Fluss)
139,44Pärnu
Bahnstrecke Pärnu-Mõisaküla nach Mõisaküla (Breitspur)
156,36Surja
175,56Häädemeeste
Estnisch-lettische Grenze
213,01Salacgrīva
237,96Überholstelle Tuja
262,86Skulte
Bahnstrecke nach Rīga (Breitspur)
Güterbahnhof Skulte
287,36Militärbahnhof und Überholstelle Ādaži
Gauja
295,86Vangaži
Bahnstrecke Rīga–ValgaTartu (Breitspur)
Bahnwerkstatt Vangaži
297,63Überholstelle Vangaži
316,7Dreiecksabzweig Upeslejas
321,70Saurieši
325,40Acone
Abstellbahnhof Acone
6,92Güterbahnhof Salaspils
Bahnstrecke Rīga–Daugavpils (Breitspur)
Salaspils (mind. Notbahnsteig)
333,55Slāvu tilts
Bahnstrecken nach Valga, Skulte (Breitspur)
Vagonu parks
Bahnstrecken nach Valga, Skulte (Breitspur)
338,06Rīga Pasažieru
Rigaer Eisenbahnbrücke über die Daugava
340,05Riga Torņakalns
Bahnstrecke Riga–Jelgava (Breitspur)
Riga Zasulauks
Bahnstrecke zur Daugavmündung (Breitspur)
Depo
Riga Zolitūde
345,70Riga Imanta
Bahnstrecke nach Jūrmala, Tukums (Breitspur)
Güterbahnhof Rīga-Flughafen
350,85Flughafen Rīga
356,90Jaunmārupe
362,80Olaine
Bahnstrecke Riga–Jelgava (Breitspur)
370,70Ķekava
Baldone
388,10Dreiecksabzweig Misa
Bahnstrecke von Jelgava nach Krustpils (Breitspur)
401,12Iecava
423,52Bauska
436,04Lettisch-litauische Grenze
446,79Überholstelle Vaškai
469,74Joniškėlis
Güterbahnhof/Abstellanlage Panevėžys
499,74Panevėžys Bahnstrecke Radviliškis–Daugavpils (Breitspur)
519,19Überholstelle Uliūnai
531,49Ramygala
538,49Überholstelle Anciškis
560,49Pasraučiai (Kėdainiai)
Güterbahnhof Ručiūnai
Bahnstrecke VilniusKlaipėda (Breitspur)
575,49Ručiūnai
582,49Jonava
582,99Neris
Bahnstrecke nach Gaižiūnai (Breitspur)
Bahnstrecke nach Vilnius (siehe unten)
Flughafen Kaunas
Bahnstrecke nach Vilnius (Breitspur)
604,49Kaunas-Palemonas (Beginn Normal-/Breitspur-Doppeltrasse)
(Tunnel mit Vierschienengleis)
614,11Kaunas
Memel
629,78Überholstelle Juragiai
Kazlų Rūda
650,28Überholstelle Ąžuolų Būda
672,78Überholstelle und Güterbahnhof Marijampolė
Marijampolė
Marijampolė
692,78Überholstelle
Šeštokai (Beginn Vierschienengleis)
Güterbahnhof Mockava (Ende Breitspur-Gleis)
707,94Litauisch-polnische Grenze
711,37Trakiszki
Bahnstrecke Suwałki–Mockava
zum Kopfbahnhof Suwałki
~736Suwałki
zum Kopfbahnhof Suwałki
Bahnstrecke Olecko–Suwałki
~770Olecko
Bahnstrecke Ełk–Tschernjachowsk
~800Ełk
Bahnstrecke Głomno–Białystok
~900Białystok
Petersburg-Warschauer Eisenbahn
~1080Warszawa Centralna
Richtung Poznań und Berlin
Abzweig nach Vilnius
Bahnstrecke nach Minsk, Daugavpils (Breitspur)
99,46Vilnius (links: Breitspur, rechts: Normalspur)
(Beginn Vierschienengleis)
Flughafen Vilnius (Ende Normalspurgleis)
Bahnstrecke nach Baranawitschy (Breitspur)
Paneriai
Abstellbahnhof Vaidotų
Vokė
92,96Lentvaris
Bahnstrecke nach Trakai, Marcinkonys (Breitspur)
Kariotiškės
Rykantai
Lazdėnai
Baltamiškis
68,06Vievis
Kaugonys
24,96Žasliai nur Überholstelle für Rail Baltica
33,96Kaišiadorys
Bahnstrecke nach Radviliškis (Breitspur)
Bahnstrecke nach Kaunas (Breitspur)
Bahnstrecke Gaižiūnai–Kaunas (Breitspur)
Rail-Baltica Hauptstrecke Tallinn–Kaunas (siehe oben)

Die Rail Baltica ist eine im Bau befindliche Eisenbahnverbindung, die von Warschau über Kaunas und Riga nach Tallinn – mit Anschluss nach Helsinki durch Fähre oder den Helsinki-Tallinn-Tunnel – führen soll.[4] Daran beteiligt sind die EU-Mitgliedsländer Polen, Litauen, Lettland, Estland und Finnland. Rail Baltica ist das prioritäre Projekt der Transeuropäischen Netze V 27.

Technische Parameter

Die Strecke soll in der in Westeuropa üblichen Regelspur von 1435 mm und nicht – wie in den baltischen Staaten bisher üblich – in russischer Breitspur von 1520 mm ausgeführt werden. Die Radsatzlast beträgt 25 t. Güterzüge mit einer maximalen Länge von 1050 m sollen hier verkehren. Die Strecke wird durchgehend elektrifiziert. Die Gesamtlänge zwischen Tallin und der litauisch / polnischen Grenze wird 870 km betragen, davon 392 km in Litauen, 265 km in Lettland und 213 km in Estland. Die angestrebte Geschwindigkeit beträgt 249 km/h, auf den anschließenden Ausbauabschnitten in Polen 160 km/h. Betreiber der Eisenbahninfrastruktur sollen die jeweils national dafür zuständigen Stellen sein.[5]

Geschichte

Vorgeschichte und Planungen

Das Projekt wurde seit Anfang der 1990er Jahre auf paneuropäischen Verkehrskonferenzen diskutiert und 1994 erstmals in dem Strategiepapier „Vision and Strategies around the Baltic Sea 2010“ beschrieben.[6] Beschlossen wurde der Bau der Verbindung 2001 in Wismar, die Fertigstellung war damals für 2015 geplant. Nachdem 2004 Litauen, Lettland und Estland EU-Mitglieder geworden waren, wurde die Eisenbahnstrecke Rail Baltica von der Europäischen Union als „vorrangiges Projekt Nr. 27“ gelistet.[7]

Mehrere Faktoren hinderten einen schnellen Fortschritt: Da der geplante Trassenverlauf keinen Umweg über die litauische Hauptstadt Vilnius vorsah, stand die litauische Regierung dem Projekt zunächst zögerlich gegenüber, die Weltfinanzkrise 2007–2008 und damit verbundene Haushaltsprobleme erschwerten die Finanzplanung.[8] 2010 wurde die Kooperation zwischen Polen, Litauen, Lettland, Estland und Finnland erneuert und die Beteiligten gingen von einer Fertigstellung 2020 aus.[9] 2012 wurde ein Baubeginn für 2018 und die Fertigstellung für 2023 angestrebt.[10]

Im Juni 2014 unterzeichneten die drei baltischen Staaten ein Abkommen zum Bau der Strecke. Im gleichen Jahr gründeten die drei baltischen Länder das Gemeinschaftsunternehmen RB Rail, das die Projektdurchführung koordiniert. Das Abkommen über die Beschaffungsrichtlinien konnte im November 2016 unterzeichnet werden.[11]

Am 31. Januar 2017 unterzeichneten die Regierungschefs Estlands, Lettlands und Litauens eine Vereinbarung über die Umsetzung, die von den Parlamenten der drei Staaten ratifiziert werden musste.[12] Darin wurden die Fristen, der Verlauf der Trasse und die technischen Standards festgelegt.[13] Vorgesehen war, 2018 oder 2019 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Die Fertigstellung des Abschnitts Tallinn–Riga–Kaunas wurde für 2025 angekündigt, die Verbindung nach Warschau für 2030.[12] Donald Tusk als damaliger Ratspräsident der EU sagte bei dieser Gelegenheit Unterstützung zu.[14] Am 19. Juni 2017 ratifizierte der estnische Riigikogu, am 22. Juni die lettische Saeima und am 10. Oktober des gleichen Jahres der litauische Seimas die Vereinbarung.[15]

Bau

2019 wurde der erste Planungsvertrag unterzeichnet[16], die Bauarbeiten kamen aber erst 2024 in Gang. Es handelt sich um etwa 150 km Strecke, davon 21 km in Estland und 29 km in Litauen. Dort sollen weitere 41 km noch 2024 in Angriff genommen werden. Am 21. Mai 2024 wurde der Bau des 230 km langen Abschnitts in Lettland mit einem Festakt begonnen.[17]

Mittlerweile wurde das Projekt in zwei Ausbaustufen gegliedert. Die erste Ausbaustufe umfasst die minimale Ausstattung, um die Strecke überhaupt nutzen zu können. Dies bedeutet voraussichtlich bei insgesamt zweigleisig ausgelegtem Planum streckenweise zunächst eingleisigen Betrieb, eine vereinfachte Anbindung des Flughafens Riga und wohl auch die Rückstellung der Anbindung von Vilnius. Die zweite Stufe ist dann der Vollausbau, der aber zusätzlich 8,5 Mrd. kosten soll.[18]

Die erste Ausbaustufe soll – so die Schätzung 2024 – 2030 in Betrieb gehen.[19]

Kosten

Frühe Studien gingen von 3,68 Milliarden Euro aus.[20] Die Kosten wurden 2017[21] auf 5,79 Mrd. Euro geschätzt, wovon die Europäische Union 4,634 Mrd. Euro tragen sollte.

2024 wurde allein für die erste Stufe mit Kosten in Höhe von 15,3 Milliarden Euro gerechnet[21], was etwa 26 Mio. Euro pro Kilometer entspricht. Etwa ein Drittel dieser Kostensteigerung geht auf eine Ausweitung des Projektumfangs zurück, etwas mehr als die Hälfte auf „genauere Kostenschätzungen“. Das lässt den Schluss zu, dass, um das Projekt durchzusetzen, anfänglich zu niedrige Kosten angesetzt wurden. Gleichwohl kommt eine aktualisierte Kosten-Nutzen-Analyse zu dem Schluss, dass das Projekt weiterhin gerechtfertigt sei.[22]

Verlauf

Polen

Der Abschnitt von Warschau bis zur lettischen Grenze ist weitgehend eine Ausbaustrecke, die für Personenzüge auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, für Güterzüge auf 120 km/h ausgelegt wird.[23] Die Gesamtkosten für den polnischen Streckenabschnitt betragen rund 1,8 Mrd. Euro und werden etwa zur Hälfte von der EU finanziert.[8]

Die Modernisierungsarbeiten für den 67 km langen Abschnitt von Warschau nach Sadowne wurden 2015 abgeschlossen. Hier wurde der Oberbau erneuert und Ingenieurbauwerke ertüchtigt. Gleiches erfolgte 2019 zwischen Sadowne und Czyżew. Die Modernisierung des Abschnitts Czyżew–Białystok soll 2024 abgeschlossen werden. Der Abschnitt Ełk–Trakiszki soll bis 2027, der Abschnitt Białystok–Ełk 2028 fertiggestellt sein.[24]

Litauen

Vorstufen

Fahrgäste der Verbindung Białystok–Kaunas müssen in Mockava den Zug wechseln, Juli 2023

Im Juli 2011 wurde ein Ausbau mit Vierschienengleis des 15 km langen Teilstückes zwischen Mockava und Šeštokai fertiggestellt.[25] Im Juli 2013 unterzeichnete die staatliche litauische Eisenbahngesellschaft einen Vertrag über den Umbau des Abschnitts von Šestokai nach Marijampolė auf Normalspur. Der Umbau des 28 km langen Abschnittes sollte 19 Monate dauern und 217 Millionen Euro kosten.[26]

Der Abschnitt von der polnischen Grenze bis Kaunas wurde am 16. Oktober 2015 eingeweiht und abschnittsweise als Vierschienengleis ausgeführt.[27] Diese Strecke ist allerdings nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgelegt. Seit Juni 2016 gibt es an Wochenenden direkte Zugverbindungen von Białystok nach Kaunas. Gleichwohl muss nach wie vor wegen fehlender litauischer Zulassungen für die polnischen Fahrzeuge in Mockava umgestiegen werden.

Rail Baltica

Am 24. Januar 2024 erteilte Litauen die Genehmigung für den Eisenbahnknoten Kaunas der Rail Baltica. Neben dem Anschluss des innerstädtischen Bahnhofs wird eine Umfahrung der Stadt gebaut und nördlich von Kaunas eine Verladeanlage für kombinierten Verkehr errichtet.[28]

Nordöstlich von Kaunas und westlich von Jonava quert die Strecke die Neris. Hier entsteht mit der 1510 m langen Nerisbrücke die längste Eisenbahnbrücke im Baltikum.[29]

Zweigstrecke Kaunas–Vilnius

Weil die Rail Baltica zwar Kaunas aber nicht die Hauptstadt Vilnius anbindet, hatte es bereits in der Planung Unstimmigkeiten zwischen Litauen und den übrigen Partnern gegeben. Kompromiss war, dass diese Verbindung über eine Stichstrecke hergestellt wird.[30]

Nach der Entscheidung über die Trassenführung zwischen Kaunas und Vilnius durch die litauische Regierung sollte die Planung im zweiten Quartal 2022 öffentlich ausgelegt werden.[31] Inzwischen wird diese Stichstrecke wohl der zweiten Ausbauphase der Rail Baltica zugerechnet, zumal es eine parallele Breitspurstrecke gibt, die auch im Personenverkehr gut bedient wird.[32]

Lettland

Hauptstrecke

Ein von 2014 bis 2016 erarbeiteter erster Entwurf zur Streckenführung blieb folgenlos. 2020 wurden die Aufträge für die Entwurfsarbeiten für die lettischen Streckenabschnitte erneut vergeben. Die Entwürfe sollten bis Ende 2022 vorliegen.[33]

Für die Rail Baltica wird der Hauptbahnhof Riga (Rīgas dzelzceļa stacija) von Grund auf umgebaut. Die Arbeiten begannen 2022.[34] Daneben soll auch eine Umgehungsbahn entstehen.[35]

In Lettland sind 16 Stationen für den Regionalverkehr vorgesehen.[36][37]

Für den Güterverkehr soll im Bereich von Salaspils, südöstlich von Riga, ein Güterbahnhof entstehen. Der Planungsauftrag dafür wurde am 16. Juni 2022 an eine Projektgruppe aus mehreren Firmen (Joint venture) vergeben. Die Planung soll 2024 vorliegen. Der Güterbahnhof wird eine Schnittstelle im Güterverkehr zwischen der Normalspur und der Breitspur sein.[38][39]

Am 24. März 2024 erklärte der lettische Verkehrsminister Kaspars Briškens, dass der Abschnitt nördlich des Hauptbahnhofes von Riga zwischen Kilometer 321,7 (Saurieši) und Kilometer 338,06 (Hauptbahnhof Riga) bis 2030 nicht fertiggestellt werden kann. Des Weiteren fehlten rund 3 Milliarden Euro.[40] Die lettische Premierministerin Evika Siliņa kündigte am 24. Juni 2024 an, nach Lösungen zu suchen, um bis 2030 auch die nördliche Anbindung von Riga sicherzustellen.[41]

Flughafenanbindung Riga

Ein zweiter Fernbahnhof soll in Riga am Flughafen entstehen, der über eine beidseitig an die Hauptstrecke angebundene Stichstrecke erschlossen wird. Auch das wird voraussichtlich 2030 nur provisorisch möglich sein, so dass Züge aus südlicher Richtung vom und zum Flughafen in den Hauptbahnhof einfahren und dort die Fahrtrichtung wechseln müssen, um zum Flughafen weiterfahren zu können.[42]

Estland

Strecke

Auf dem Abschnitt Valga–Tartu wurden die Gleise erneuert; der Bahnhof Valga wurde umgebaut und die Zahl seiner Gleise erhöht. Der Abschnitt wurde im Dezember 2010 fertiggestellt. Die Kosten betrugen rund 40 Millionen Euro. Die Arbeiten an einem weiteren Streckenabschnitt begannen im November 2019.[43]

Der nordöstlich von Tallinn gelegene Hafen Muuga bei Maardu soll zu einem Umschlagplatz zwischen See-, Straßen- und Schienenverkehr mit Eisenbahnanschluss beider Spurweiten umgebaut werden.[44]

Im Januar 2024 wurden die Arbeiten für den Abschnitt Soodevahe (östlich von Tallinn)–Kärpla ausgeschrieben. Sie umfassen eine Strecke von 52,6 km und ein Volumen von 400 Mio. Euro.[45]

Tallinn Ülemiste / Linda

Die Rail Baltica erhält in Tallinn einen eigenen, neuen Personenbahnhof. Die Grundsteinlegung fand am 29. Mai 2024 statt, obwohl bereits seit Herbst 2023 Tiefbauarbeiten stattfanden. Das Auftragsvolumen beträgt 45 Mio. Euro.[46] Die Architektur stammt aus dem Büro von Zaha Hadid. Nach einem Namenswettbewerb soll der Bahnhof „Linda“ genannt werden. Der Bahnhof erhält Straßenbahnanschluss sowohl in die Innenstadt (etwa 3,5 km entfernt) als auch zum Flughafen (etwa 1 km entfernt). Der Breitspurbahnhof Ülemiste für den Nahverkehr befindet sich etwas südlich.

Anbindung von Finnland

Ein Tunnel unter dem Finnischen Meerbusen zwischen Tallinn und Helsinki würde zusätzlich 13 Milliarden Euro kosten.[47] Die maximale Breite des Finnischen Meerbusens beträgt 130 Kilometer. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 38 und die maximale Tiefe 115 Meter. Die Länge des Tunnels würde von der Trasse abhängen. Bei der kürzesten Entfernung würde er eine Länge von etwa 50 km haben und wäre damit der längste Unterwassertunnel der Welt. Eine Fertigstellung wäre frühestens 2030 möglich.

Am 7. März 2019 wurde bekannt, dass die chinesische Beteiligungsgesellschaft Touchstone Capital Partners und die Tunnelbaugesellschaft FinEst Bay Area Development unter der Leitung von Peter Vesterbacka bereit sind, im Rahmen der Belt-and-Road-Infrastrukturinitiative (Neue Seidenstraße) rund 15 Milliarden Euro in das Bauprojekt zu investieren. Derzeit finden noch geologische Vorplanungen statt.[48]

Bedeutung

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung der Bahnstrecke wird überwiegend im Personenverkehr gesehen. Für 2046 werden knapp 52 Mio. Fahrgäste im Jahr auf der Strecke erwartet und knapp 11 Mio. t Ladung.[49]

Im Personenverkehr werden nachfolgende Fahrzeiten von Tallinn aus veranschlagt[50]:

  • nach Riga 1:42 h
  • nach Kaunas 3:18 h
  • nach Vilnius 3:38
  • nach Warschau 6:47 h
  • nach Berlin 12:15 h

Militärische Bedeutung

Obwohl als ziviles Verkehrsprojekt konzipiert, steht seit der russischen Annexion der Krim 2014 auch die militärische Bedeutung von Rail Baltica vermehrt im Fokus. Im Falle einer militärischen Bedrohung der baltischen Staaten durch Russland stünde der NATO als einzige Landverbindung für Truppentransporte die rund 65 Kilometer (Luftlinie) breite sogenannte Suwałki-Lücke zur Verfügung. Die Strecke der Rail Baltica verläuft durch diesen Korridor zwischen Kaliningrad und Belarus. Vorteilhaft ist dabei vor allem die Angleichung der Spurweite auf Normalspur und somit der Wegfall von Umlade- oder Umspurvorgängen. Im Fall einer militärischen Auseinandersetzung kann diese Strecke nicht unmittelbar mit russischen Breitspurfahrzeugen benutzt werden.

So hob der NATO-General Jörg Vollmer im Juni 2020 hervor, dass die Reaktionsfähigkeit der NATO in der Region von dem Bahnprojekt profitiere. Der litauische Verteidigungsminister Raimundas Karoblis hatte zuvor geäußert, dass die Strecke so gebaut werden sollte, dass die Standards für militärische Eisenbahntransporte eingehalten werden.[51] Andererseits stellte eine Website der East StratCom Task Force der EU im November 2020 klar, dass es sich bei Rail Baltica nach wie vor um ein ziviles Verkehrsprojekt handelt, und reagierte damit auf eine Falschmeldung des russischen Nachrichtenportals Sputnik, in der behauptet wurde, dass Rail Baltica in erster Linie im Interesse der NATO errichtet wird.[52]

Teile von Rail Baltica werden von der EU explizit aus einem Topf zur Verbesserung militärischer Mobilität gefördert. Die Vorschläge für diesen Topf konnten bis Januar 2022 eingereicht werden. Im April 2022 wurden die Berücksichtigung militärischer Anforderungen auf dem lettischen Teilstück von Rail Baltica und der Bau eines auch militärisch nutzbaren Umschlagterminals in Kaunas als zwei Projekte ausgewählt, die jeweils zu 50 % aus besagtem Topf finanziert werden sollen.[53][54]

Literatur

Allgemein

Planungen und Kosten-Nutzen-Rechnungen

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Marta Jakubiec: The Rail Baltica and its impacts on the regions regarding the European Union. Diplomarbeit, Universität Dortmund 2007.
  • Beate Schütz: Welchen Beitrag können die INTERREG-Verkehrsprojekte „COINCO“, „Rail Baltica“ und „SIC!“ zur Beseitigung des Fehlens von Nord-Süd-Korridoren leisten? Masterarbeit, Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, Berlin 2007.
  • Jürgen Murach, Jürgen Roß: Rail Baltica Growth Corridor. Zwischen Vision und wirtschaftlicher Realität. In: Informationen zur Raumentwicklung, ISSN 0303-2493, Jg. 17 (2012), Heft 7/8: Europäische Verkehrskorridore und Raumentwicklung, S. 415–426.
  • Milla Laisi, Juha Saranen: Integrating the Baltic States and Europe: Rail Baltica. In: International journal of business excellence, ISSN 1756-0047, Jg. 6 (2013), S. 251–269.

Studien zum Tunnel zwischen Tallinn und Helsinki

Commons: Rail Baltica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Baltic States approve Rail Baltica project’s design guidelines, abgerufen am 17. August 2018.
  2. Operational Plan – Rail Baltica Track Layout – Time horizons 2026 – 2036-46 – 2056 – Version 2.5. (PDF; 714 kB) Rail Baltica, 16. Dezember 2019, abgerufen am 23. Mai 2020 (englisch).
  3. Rail Baltica: Preparation of the Operational Plan of the Railway Final Study Report. (PDF; 22 MB) Rail Baltica, 15. November 2018, abgerufen am 23. Mai 2020 (englisch).
  4. Rudolf Hermann: Ambitiöses Projekt «Rail Baltica»: Höchste Eisenbahn für den baltischen Express. In: Neue Zürcher Zeitung, 16. Dezember 2016.
  5. bac: Rail Baltica, S. 370f.
  6. bac: Rail Baltica, S. 370.
  7. Reinhard Wolff: Der Bau der Rail Baltica hat begonnen: Schnelle Bahn ins Baltikum. In: Die Tageszeitung: taz. 5. März 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 6. März 2020]).
  8. a b OWC Verlag für Außenwirtschaft: An einem Strang: Highspeed-Projekt Rail Baltica nimmt Fahrt auf (Memento des Originals vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/owc.de, 29. September 2014.
  9. bac: Rail Baltica, S. 370f.
  10. Estonian Economy Minister: Finland an important factor in Estonian success. In: Helsingin Sanomat, abgerufen am 26. März 2012.
  11. Beatrice Bösiger: Rail Baltica bringt Europa zusammen. DVZ, 28. November 2016, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Dezember 2016; abgerufen am 2. August 2019.
  12. a b Arnis Kluinis: Rail Baltica Vereinbarung unterzeichnet. nra.lv, 1. Februar 2017 (lettisch).
  13. Baltische Staaten wollen Eisenbahnprojekt umsetzen. In: Neue Zürcher Zeitung, 1. Februar 2017, S. 2
  14. Peter Kleinort: „Rail Baltica“ vereinbart. Regierungschefs unterzeichnen Projektvertrag. EU finanziert mit. In: Täglicher Hafenbericht, 2. Februar 2017, S. 2.
  15. Rail Baltica agreement ratified by all three parliaments. Railway Gazette, 12. Oktober 2017, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Februar 2018; abgerufen am 12. Februar 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.railwaygazette.com
  16. bac: Rail Baltica, S. 370.
  17. bac: Rail Baltica, S. 371.
  18. bac: Rail Baltica, S. 371.
  19. bac: Rail Baltica, S. 370.
  20. Project Rail Baltica would cost EUR 3.68 bln In: The Baltic Course, 28. Juni 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  21. a b Robert Preston: Rail Baltica’s first phase cost rises to €15.3bn. In: railjournal.com. 11. Juni 2024, abgerufen am 15. Juni 2024 (englisch).
  22. bac: Rail Baltica, S. 370.
  23. https://www.railwaypro.com/wp/agreement-signed-for-polands-connection-to-rail-baltica/
  24. bac: Rail Baltica, S. 370.
  25. Kallas: EU’s support should be focused on visible transeuropean projects. In: The Baltic Course vom 15. Juli 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  26. Standard gauge to reach Marijampole. In: Railway Gazette vom 24. Juli 2013, abgerufen am 1. August 2013.
  27. First section of Rail Baltica inaugurated. (Memento desOriginals vom 17. Oktober 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.railwaygazette.com In: Railway Gazette, 16. Oktober 2015, abgerufen am 28. Februar 2017.
  28. bac: Rail Baltica, S. 371.
  29. NN: Baltic countries to built their largest bridge. In: OSJD Bulletin 5/2022, S. 71f.
  30. bac: Rail Baltica, S. 371.
  31. The route for the Lithuanian part of the Rail Baltica railway line has been determined. In: OSJD Bulletin 1–2/2022, S. 57.
  32. bac: Rail Baltica, S. 371.
  33. The design works to start for the whole Rail Baltica main line in Latvia. 6. April 2020, abgerufen am 21. Mai 2020.
  34. Rail Baltica global project progress presented at the European Parliament. Rail Baltica, 27. April 2022, abgerufen am 11. Mai 2022.
  35. bac: Rail Baltica, S. 371.
  36. Rail Baltica plans to build 16 stations in Latvia. In: eng.lsm.lv. 9. November 2020, abgerufen am 19. März 2023 (englisch).
  37. Closed competition for Salaspils freight terminal design announced. In: railbaltica.org. 16. Januar 2023, abgerufen am 19. März 2023 (englisch).
  38. The design works to start for the whole Rail Baltica main line in Latvia. In: railbaltica.org. 6. April 2020, abgerufen am 19. März 2023.
  39. The design works to start for the whole Rail Baltica main line in Latvia. In: railbaltica.org. 6. April 2020, abgerufen am 19. März 2023 (englisch).
  40. Inga Šņore: Rail Baltica was not built in a day, and unlikely in six years. In: LSM. Latvijas sabiedriskie mediji, 25. März 2024, abgerufen am 10. April 2024 (englisch).
  41. bac: Rail Baltica, S. 371.
  42. bac: Rail Baltica, S. 371.
  43. Varsha Saraogi: Works begin on Rail Baltica high-speed line. Railway Technology, 29. November 2019, abgerufen am 30. Dezember 2019.
  44. Rail Baltica Estonia : Rail Baltics brings major changes to Muuga cargo port vom 8. Mai 2020; abgerufen am 11. August 2024.
  45. pd: Arbeiten für Rail Baltica in Estland ausgeschrieben. In: Eisenbahn-Revue International 2/2024, S. 82.
  46. bac: Rail Baltica, S. 371.
  47. Carsten Schmiester: Pläne für Supertunnel „Talsinki“ unter der Ostsee. In: Deutschlandfunk, 8. Januar 2016.
  48. Finnlands Anschluss an Rail Baltica wird konkret: Chinesen wollen 15 Mrd. in Tallinn-Helsinki-Tunnel investieren. In: nordisch.info. 8. März 2019, abgerufen am 8. März 2019.
  49. bac: Rail Baltica, S. 370.
  50. bac: Rail Baltica, S. 371.
  51. Rail Baltica will improve military mobility, says NATO commander. Litauischer Rundfunk LRT, 26. Juni 2020.
  52. Disinfo: Rail Baltica is built for the purposes of NATO. In: euvsdisinfo.eu. Abgerufen am 11. Juni 2022.
  53. European Climate, Infrastructure and Environment Executive Agency: Transport infrastructure: projects receive EUR 425 million in EU funding to boost green mobility and to adapt the network for dual civil/defence use. In: cinea.ec.europa.eu. 8. April 2022, abgerufen am 11. Juni 2022.
  54. CEF Transport calls for proposals 2021 (MILMOB) – Military Mobility envelope. Overview of projects proposed for funding. (PDF) In: cinea.ec.europa.eu. Abgerufen am 11. Juni 2022.