Dreiecksnebel

Galaxie
Dreiecksnebel
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Aufnahme im Visuellen mit dem 60-cm-Teleskop des Lohrmann-Observatoriums.
AladinLite
SternbildDreieck
Position
ÄquinoktiumJ2000.0, Epoche: J2000.0
Rektaszension01h 33m 50,9s[1]
Deklination+30° 39′ 37″[1]
Erscheinungsbild
Morphologischer TypSA(s)cd/HII[1]
Helligkeit (visuell)5,5 mag[2]
Helligkeit (B-Band)6,2 mag[2]
Winkel­ausdehnung70,8/41,7[1]
Positionswinkel23°[2]
Flächen­helligkeit14,0 mag/arcmin²[2]
Physikalische Daten
ZugehörigkeitLokale Gruppe,
Andromeda-Untergruppe,
LGG 11[3]
Rotverschiebung−0,000597 ± 0,000010[1]
Radial­geschwin­digkeit(−179 ± 3) km/s[1]
Entfernung2,76 ± 0,11 Mio. Lj /
847.000 ± 35.000 pc [4]
Absolute Helligkeit−18,9 mag
Durchmesser55.000 Lj[5][6]
Geschichte
EntdeckungGiovanni Battista Hodierna/
Charles Messier
Entdeckungsdatumum 1654[7]
Katalogbezeichnungen
M 33 • NGC 598 • UGC 1117 • PGC 5818 • CGCG 502-110 • MCG +05-04-069 • IRAS 01310+3024 • 2MASX J01335090+3039357 • GC 352 • H V 17 • h 131 •

Der Dreiecksnebel, auch als Dreiecksgalaxie sowie als Triangulumnebel, Triangulumgalaxie oder Messier 33 bezeichnet, ist eine Spiralgalaxie mit den Abmessungen 70′ × 40′ und der Gesamthelligkeit von 5,7 mag im Sternbild Dreieck am nördlichen Fixsternhimmel. Damit ist sie nach dem Andromedanebel die zweithellste Spiralgalaxie am Nachthimmel und eine der unserer Galaxie nächstgelegenen.

Allerdings verteilt sich ihre Helligkeit auf eine größere Fläche, so dass sie unter normalen Bedingungen nicht freiäugig, sondern allenfalls im Feldstecher sichtbar ist. Daher sind im Fernrohr etwa 20 fernere Galaxien leichter zu beobachten.

Geschichte

Der Dreiecksnebel wurde um 1654 vom italienischen Astronomen Giovanni Battista Hodierna entdeckt und am 25. August 1764 von französischen Astronomen Charles Messier aufgezeichnet. Weitere frühe Beobachtungen wurden von Johann Elert Bode (1775), William Herschel (1784) und John Herschel (1828) gemacht.[7]

Beschreibung

Zeichnung von Lord Rosse (ca. 1845)

Der Dreiecksnebel ist mit einem Durchmesser von etwa 50.000–60.000 Lichtjahren[5] nach dem Andromedanebel (≈ 150.000 Lj; Halo 240 kpc) und der Milchstraße (≈ 100.000 Lj; Halo 50 kpc) das drittgrößte Objekt in der Lokalen Gruppe.

Das im Messier-Katalog als M33 geführte Objekt war nach M51 die zweite Galaxie, an der Lord Rosse 1845 mit seinem Riesenteleskop eine Spiralstruktur erahnen konnte. Die Existenz dieser Spiralarme wurde von anderen Astronomen lange bezweifelt.

Die Entfernung der Erde zum Dreiecksnebel beträgt knapp drei Millionen Lichtjahre. Die baryonische Masse dieser Spiralgalaxie (Sterne und Gas) beträgt etwa zwei Prozent der Masse des Milchstraßensystems oder vier bis sechs Milliarden Sonnenmassen. Zusammen mit der umgebenden dunklen Materie dürften es ungefähr 50 Milliarden Sonnenmassen sein.[8]

Möglicherweise ist der Dreiecksnebel gravitativ an den Andromedanebel gebunden, von dem er etwa eine Million Lichtjahre entfernt ist.

Eigenbewegung

Der Dreiecksnebel bewegt sich möglicherweise auf die Kollisionsbahn der Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie zu

Die Galaxie könnte möglicherweise auf den Kollisionweg der Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie treffen.[9]

2005 gelang es einem deutschen Team von Forschern durch Beobachtungen von H2O-Masern auf entgegengesetzten Seiten der Spiralgalaxie mit dem VLBA, ein Modell für die Rotation und Eigenbewegung des Dreiecksnebels aufzustellen. Das Team kam zu dem Ergebnis, dass die Galaxie sich mit einer Eigenbewegung von −30±8 Mikrobogensekunden (µ″/a) pro Jahr in Rektaszension und 45±9 µ″/a in Deklination bewegt. Daraus schließen die Forscher auf eine Gesamtgeschwindigkeit von 190±60 km/s relativ zum Milchstraßensystem, wobei die Bewegung ungefähr in Richtung des Andromedanebels zeigt.[10] Solche Messungen sind bisher nur für wenige Galaxien gelungen und stellen eine wesentliche Voraussetzung für dynamische Modelle der Lokalen Gruppe dar.

Assoziierte Objekte

Es sind einige Kugelsternhaufen, von denen einige zur seltenen Objektklasse der blauen Kugelsternhaufen gehören, mit dieser Galaxie assoziiert. Wahrscheinlich hat der Dreiecksnebel auch eine Satellitengalaxie, und zwar die Pisces-Zwerggalaxie.

Aufnahme des VST, HII-Gebiete erscheinen rötlich; prominente Gebiete sind eingezeichnet

HII-Regionen

Das riesige Sternentstehungsgebiet NGC 604, hier eine Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops

Schon Wilhelm Herschel bemerkte bei der Beobachtung des Dreiecksnebels die große HII-Region (ein diffuser Gasnebel aus ionisiertem Wasserstoff) NGC 604. Herschel nahm diese aber noch als separates Objekt wahr und gab ihr den Namen H III.150. Dieses riesige Sternentstehungsgebiet gehört mit einem Durchmesser von fast 1500 Lichtjahren zu den größten bekannten Objekten dieser Art und gleicht in den spektralen Charakteristiken dem Orionnebel. Schon Amateurteleskope erlauben die Beobachtung dieses Gasnebels, der nordöstlich vom Zentrum der Galaxie zu finden ist. Herschel bemerkte auch noch drei kleinere HII-Regionen, nämlich NGC 588, NGC 592 und NGC 595.

Einzelobjekte (HII-Regionen) in M33

Name des Objektes[11]RektaszensionDeklinationmVEntdeckerEntdeckungsdatumalternative Bezeichnung
NGC 58813245.501h 32m 45.5s2303856+30° 38′ 56″13.5Heinrich d’Arrest2. Oktober 1861BCLMP 280
NGC 59213311.701h 33m 11.7s2303842+30° 38′ 42″13Heinrich d’Arrest2. Oktober 1861BCLMP 277
IC 13113314.601h 33m 14.6s2304512+30° 45′ 12″14Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 290A
IC 13313315.201h 33m 15.2s2305318+30° 53′ 18″14Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 623
IC 13213315.801h 33m 15.8s2305645+30° 56′ 45″13.5Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889
NGC 59513333.801h 33m 33.8s2304130+30° 41′ 30″13.1Heinrich d’Arrest1. Oktober 1864BCLMP 49
IC 13713338.901h 33m 38.9s2303121+30° 31′ 21″14Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 204, 205
BCLMP 6213344.801h 33m 44.8s2304447+30° 44′ 47″
BCLMP 251334501h 33m 45s2303628+30° 36′ 28″
IC 14213355.501h 33m 55.5s2304528+30° 45′ 28″14.2Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 301
IC 14013358.201h 33m 58.2s2303300+30° 33′ 00″13Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889
IC 13913359.201h 33m 59.2s2303403+30° 34′ 03″14Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 8A
IC 14313411.101h 34m 11.1s2304641+30° 46′ 41″14Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 688
IC 13513415.501h 34m 15.5s2303712+30° 37′ 12″14Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 88
IC 13613413.701h 34m 13.7s2303335+30° 33′ 35″13.7Guillaume Bigourdan28. Oktober 1889BCLMP 711
BCLMP 69113416.401h 34m 16.4s2305155+30° 51′ 55″
NGC 60413433.201h 34m 33.2s2304706+30° 47′ 06″12William Herschel11. September 1784BCLMP 680

M33 X-7

Im Oktober des Jahres 2007 entdeckten Forscher mit Hilfe des Chandra-Röntgenteleskops in der Galaxie das zu dieser Zeit massereichste bekannte Schwarze Loch, das sich aus einem einzelnen Stern entwickelt hat. Massereichere Schwarze Löcher sind zu dieser Zeit nur aus den Kernen von Galaxien bekannt, wo sich diese Objekte durch den Einsturz von Materie immer weiter vergrößern. Das Objekt, das als Röntgenquelle den Namen M33 X-7 erhielt, wird auf knapp 16 Sonnenmassen geschätzt. Es befindet sich im Orbit um einen mit etwa 70-facher Sonnenmasse außergewöhnlich großen Stern, bei dem es sich wahrscheinlich um einen Blauen Riesenstern handelt.[12] Nach bisherigen Erkenntnissen von Forschern haben stellare Schwarze Löcher eigentlich eine Massenobergrenze von etwa 15 Sonnenmassen.

Sichtbarkeit

Aufnahme mit einer Canon PowerShot G3X bei Lichtverschmutzung. Von bloßem Auge kann ein ähnliches Erscheinungsbild erwartet werden.

Wegen seiner großen Winkelausdehnung und der daraus resultierenden geringen Flächenhelligkeit ist der Dreiecksnebel mit kleinen Teleskopen bei zu großer Vergrößerung kaum aufzufinden. Es empfiehlt sich die Beobachtung mit einem lichtstarken Feldstecher, etwa 15x70 oder 20x80.

Literatur

  • König, Michael & Binnewies, Stefan (2019): Bildatlas der Galaxien: Die Astrophysik hinter den Astrofotografien, Stuttgart: Kosmos, S. 48
Commons: Dreiecksnebel – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Dreiecksnebel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. a b c d NASA/IPAC Extragalactic Database (NED)
  2. a b c d SEDS: NGC 598
  3. VizieR
  4. Igor D. Karachentsev, Valentina E. Karachentseva, Walter K. Huchtmeier, Dmitry I. Makarov: A Catalog of Neighboring Galaxies. In: Astronomical Journal. Band 127, 2004, S. 2031–2068, doi:10.1086/382905 (ADS, englisch).
  5. a b David Darling: Triangulum Galaxy. The Worlds of David Darling, 27. Februar 2008, abgerufen am 6. März 2010 (englisch).
  6. NASA/IPAC
  7. a b NGC 598 (= PGC 5818 = M33), the Triangulum Galaxy. In: cseligman.com. Abgerufen am 28. Juli 2018 (englisch).
  8. Edvige Corbelli: Dark matter and visible baryons in M33. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 342, Nr. 1, Juni 2003, S. 199–207, doi:10.1046/j.1365-8711.2003.06531.x
  9. NASA's Hubble Shows Milky Way is Destined for Head-On Collision. NASA, 31. Mai 2012, archiviert vom Original am 1. Juli 2014; abgerufen am 12. November 2015.
  10. Andreas Brunthaler, Mark J. Reid, Heino Falcke, Lincoln J. Greenhill, Christian Henkel,: The Geometric Distance and Proper Motion of the Triangulum Galaxy (M33). In: Science. 307. Jahrgang, Nr. 5714, 2005, S. 1440–1443, doi:10.1126/science.1108342.
  11. Ronald Stoyan: Atlas der Messier-Objekte. Oculum-Verlag, Erlangen 2006, ISBN 978-3-938469-07-1
  12. Chandra Pressemitteilung vom 17. Oktober 2007