„Chromatopelma cyaneopubescens“ – Versionsunterschied

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== Systematik ==
== Systematik ==


Der Name ist eine Zusammensetzung aus lateinischen und altgriechischen Wörtern: »chroma« ist griechisch und bedeutet „Farbe“, »pelma« ist lateinisch und bedeutet „Sohle“, »cyaneos« ist griechisch und bedeutet „dunkelblau“ und »pubescens« ist lateinisch und bedeutet „behaart“.<ref name="martini">Stephan Martini, ''Chromatopelma cyaneopubescens - Artbeschreibung, Haltung und Zucht'' in: Arachne, 12. Jahrgang, Heft 5, September 2007 der Detuschen Arachnologischen Gesellschaft e.V., ISSN 1613-2688</ref>
Der Name ist eine Zusammensetzung aus lateinischen und altgriechischen Wörtern: »chroma« ist griechisch und bedeutet „Farbe“, »pelma« ist lateinisch und bedeutet „Sohle“, »cyaneos« ist griechisch und bedeutet „dunkelblau“ und »pubescens« ist lateinisch und bedeutet „behaart“.<ref name="martini">Stephan Martini, ''Chromatopelma cyaneopubescens - Artbeschreibung, Haltung und Zucht'' in: Arachne, 12. Jahrgang, Heft 5, September 2007 der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft e.V., ISSN 1613-2688</ref>


Diese Spinnenart wurde schon mehrfach in der Systematik umgeteilt. Zuerst beschrieb sie Strand im Jahr 1907 als ''Eurypelma cyaneopubescens''. Einige Jahre später wurde sie von Petrunkevitch zur Gattung ''Delopelma'' gestellt. Da die ''Delopelma''-Arten (heute ''Aphonopelma'') grabende Vogelspinnen sind und dadurch anatomische Merkmale aufweisen, welche dieser Spinnenart fehlen, wurde sie von Schmidt in die monotypische Gattung ''Chromatopelma'' gestellt.<ref name="martini" />
Diese Spinnenart wurde schon mehrfach in der Systematik umgeteilt. Zuerst beschrieb sie Strand im Jahr 1907 als ''Eurypelma cyaneopubescens''. Einige Jahre später wurde sie von Petrunkevitch zur Gattung ''Delopelma'' gestellt. Da die ''Delopelma''-Arten (heute ''Aphonopelma'') grabende Vogelspinnen sind und dadurch anatomische Merkmale aufweisen, welche dieser Spinnenart fehlen, wurde sie von Schmidt in die monotypische Gattung ''Chromatopelma'' gestellt.<ref name="martini" />
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== Verbreitung und Lebensraum ==
== Verbreitung und Lebensraum ==


Sie wurde im Norden von [[Venezuela]] in der Region von [[Caracas]] nachgewiesen. Dort lebt die bis zu 7 cm große Spinne in [[Savannenwald|Savannenwäldern]], welches mit niedrig wachsenden, [[Orchidee|orchideen-]] und [[Tillandsien|tillandsienbewachsenen]] Bäumen besiedelt ist. Der Boden ist mit [[Opuntien]] und [[Bromelien]]gewächsen bedeckt. Das Klima ist wechselhaft und sehr heiß mit Tageshöchstwerten bis 39°C, ebenso herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nachts kühlt es bis 18°C herunter und es kommt zu Taubildung.<ref name="martini" /> Einige Exemplare wurden auch in den Holzkonstruktionen von Hütten gefunden.<ref name="klaas" />
Sie wurde im Norden von [[Venezuela]] in der Region von [[Caracas]] nachgewiesen. Dort lebt die bis zu 7 cm große Spinne in [[Savannenwald|Savannenwäldern]], welches mit niedrig wachsenden, [[Orchidee|orchideen-]] und [[Tillandsien|tillandsienbewachsenen]] Bäumen besiedelt ist. Der Boden ist mit [[Opuntien]] und [[Bromelien]]gewächsen bedeckt. Das Klima ist wechselhaft und sehr heiß mit Tageshöchstwerten bis 39&nbsp;°C, ebenso herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nachts kühlt es bis 18&nbsp;°C herunter und es kommt zu Taubildung.<ref name="martini" /> Einige Exemplare wurden auch in den Holzkonstruktionen von Hütten gefunden.<ref name="klaas" />


Sie baut große und weit ausgedehnte Wohngespinste in Baumhöhlen oder zwischen Wurzeln. Sie sucht in erster Linie den Unterwuchs der Bäumen als Wohngespinnstgrundlage aus. Sie zeigt keine grabende Tätigkeit.<ref name="martini" /> Da sie zwar aussieht wie eine bodenbewohnende Art, aber eine ausgeprägte arboreale Lebensweise hat, wurde sie 1907 als [[Avicularia]] beschrieben.<ref name="klaas"><span class ="Person">Klaas, Peter</span>: ''Vogelspinnen: Herkunft, Pflege, Arten''. ''Eugen Ulmer Verlag'', Stuttgart 2003/2007, ISBN 978-3-8001-4660-4</ref>
Sie baut große und weit ausgedehnte Wohngespinste in Baumhöhlen oder zwischen Wurzeln. Sie sucht in erster Linie den Unterwuchs der Bäumen als Wohngespinnstgrundlage aus. Sie zeigt keine grabende Tätigkeit.<ref name="martini" /> Da sie zwar aussieht wie eine bodenbewohnende Art, aber eine ausgeprägte arboreale Lebensweise hat, wurde sie 1907 als [[Avicularia]] beschrieben.<ref name="klaas"><span class ="Person">Klaas, Peter</span>: ''Vogelspinnen: Herkunft, Pflege, Arten''. ''Eugen Ulmer Verlag'', Stuttgart 2003/2007, ISBN 978-3-8001-4660-4</ref>
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[[Bild:GBB.jpg|thumb|left|Ausgewachsenes Weibchen]]Diese Vogelspinne ist eine sogenannte „Bombardierspinne“ und hat auf dem Opisthosoma Brennhaare, die sie zur Verteidigung einsetzen kann, in dem sie sie mit den Hinterbeinen abstreift. Diese Haare werden auch für die Absicherung der Wohngespinste gegen Raubtiernasen eingesetzt. Sie hat einen metallisch blau bis grünlich glänzenden [[Carapax]], ein mit langen orangenen Haaren bedecktes [[Abdomen]] und leuchtend blaue Beine. Jungtiere haben eine auffällige schwarze Zeichnung auf dem Abdomen, die sich im Laufe der Zeit aber verliert. Nymphen sind komplett anders gefärbt: Sie haben eine wespenartige Zeichnung auf dem Abdomen und ihre Laufbeine sind bis und mit [[Femur]] schwarz gefärbt. [[Patella]] bis [[Metatarsus]] sind beigefarben und der [[Tarsus]] schliesslich dunkelgrau. Der Carapax hat einen goldenen Schimmer.<ref name="martini" />
[[Bild:GBB.jpg|thumb|left|Ausgewachsenes Weibchen]]Diese Vogelspinne ist eine sogenannte „Bombardierspinne“ und hat auf dem Opisthosoma Brennhaare, die sie zur Verteidigung einsetzen kann, in dem sie sie mit den Hinterbeinen abstreift. Diese Haare werden auch für die Absicherung der Wohngespinste gegen Raubtiernasen eingesetzt. Sie hat einen metallisch blau bis grünlich glänzenden [[Carapax]], ein mit langen orangenen Haaren bedecktes [[Abdomen]] und leuchtend blaue Beine. Jungtiere haben eine auffällige schwarze Zeichnung auf dem Abdomen, die sich im Laufe der Zeit aber verliert. Nymphen sind komplett anders gefärbt: Sie haben eine wespenartige Zeichnung auf dem Abdomen und ihre Laufbeine sind bis und mit [[Femur]] schwarz gefärbt. [[Patella]] bis [[Metatarsus]] sind beigefarben und der [[Tarsus]] schliesslich dunkelgrau. Der Carapax hat einen goldenen Schimmer.<ref name="martini" />


Weibchen sind durchschnittlich zwischen 6,5 cm und 7,2 cm lang (gemessen von den Beißklauen bis zu den Spinnwarzen). Männchen sind durchschnittlich zwischen 3,5 cm bis 4,3 cm lang; wobei auch Männchen vorkommen können, die annähernd die selbe Größe erreichen, wie kleinwüchsige Weibchen.<ref name="martini" />
Weibchen sind durchschnittlich zwischen 6,5 cm und 7,2 cm lang (gemessen von den Beißklauen bis zu den Spinnwarzen). Männchen sind durchschnittlich zwischen 3,5 cm bis 4,3 cm lang; wobei auch Männchen vorkommen können, die annähernd die selbe Größe erreichen, wie kleinwüchsige Weibchen.<ref name="martini" />


== Verhalten ==
== Verhalten ==


Sie gilt gegenüber Menschen als eine ruhige bis leicht defensive Spinne. Unausgewachsene Spinnen zeigen ein ängstliches bis nervöses Verhalten, in dem sie bereits bei kleinsten Erschütterungen in ihr Nest zurückschnellen. Die jungen Spinnen sind zudem äusserst gute Kletterer und bewegen sich flink und erinnern so an [[Avicularia]]-Arten. Die Spinnen setzen ihre Abdominalbrennhaare äusserst selten ein. Sie drohen den vermeintlichen Angreifer mit dem Schlagen der Vorderbeine und flüchten, wenn es möglich ist.<ref name="martini" />
Sie gilt gegenüber Menschen als eine ruhige bis leicht defensive Spinne. Unausgewachsene Spinnen zeigen ein ängstliches bis nervöses Verhalten, in dem sie bereits bei kleinsten Erschütterungen in ihr Nest zurückschnellen. Die jungen Spinnen sind zudem äußerst gute Kletterer und bewegen sich flink und erinnern so an [[Avicularia]]-Arten. Die Spinnen setzen ihre Abdominalbrennhaare äußerst selten ein. Sie drohen den vermeintlichen Angreifer mit dem Schlagen der Vorderbeine und flüchten, wenn es möglich ist.<ref name="martini" />


== Synonyme ==
== Synonyme ==

Version vom 21. Juli 2008, 02:33 Uhr

Chromatopelma cyaneopubescens

Chromatopelma cyaneopubescens

Systematik
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Chromatopelma
Art: Chromatopelma cyaneopubescens
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Chromatopelma
Schmidt, 1995
Wissenschaftlicher Name der Art
Chromatopelma cyaneopubescens
(Strand, 1907)

Die südamerikanische Vogelspinnenart Chromatopelma cyaneopubescens ist die einzige Art der Gattung Chromatopelma. Sie ist in der Region von Caracas in Venezuela beiheimatet. In den letzten Jahren wurde sie bei Terrarienhaltern beliebt und auch mehrfach nachgezüchtet. Die Regierung hat aber aufgrund der hohen Nachfrage und der Einfachheit der Nachzucht ein Exportverbot erlassen.[1]

Systematik

Der Name ist eine Zusammensetzung aus lateinischen und altgriechischen Wörtern: »chroma« ist griechisch und bedeutet „Farbe“, »pelma« ist lateinisch und bedeutet „Sohle“, »cyaneos« ist griechisch und bedeutet „dunkelblau“ und »pubescens« ist lateinisch und bedeutet „behaart“.[1]

Diese Spinnenart wurde schon mehrfach in der Systematik umgeteilt. Zuerst beschrieb sie Strand im Jahr 1907 als Eurypelma cyaneopubescens. Einige Jahre später wurde sie von Petrunkevitch zur Gattung Delopelma gestellt. Da die Delopelma-Arten (heute Aphonopelma) grabende Vogelspinnen sind und dadurch anatomische Merkmale aufweisen, welche dieser Spinnenart fehlen, wurde sie von Schmidt in die monotypische Gattung Chromatopelma gestellt.[1]

Verbreitung und Lebensraum

Sie wurde im Norden von Venezuela in der Region von Caracas nachgewiesen. Dort lebt die bis zu 7 cm große Spinne in Savannenwäldern, welches mit niedrig wachsenden, orchideen- und tillandsienbewachsenen Bäumen besiedelt ist. Der Boden ist mit Opuntien und Bromeliengewächsen bedeckt. Das Klima ist wechselhaft und sehr heiß mit Tageshöchstwerten bis 39 °C, ebenso herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nachts kühlt es bis 18 °C herunter und es kommt zu Taubildung.[1] Einige Exemplare wurden auch in den Holzkonstruktionen von Hütten gefunden.[2]

Sie baut große und weit ausgedehnte Wohngespinste in Baumhöhlen oder zwischen Wurzeln. Sie sucht in erster Linie den Unterwuchs der Bäumen als Wohngespinnstgrundlage aus. Sie zeigt keine grabende Tätigkeit.[1] Da sie zwar aussieht wie eine bodenbewohnende Art, aber eine ausgeprägte arboreale Lebensweise hat, wurde sie 1907 als Avicularia beschrieben.[2]

Die Lebensräume dieser Art werden durch Hausziegen geschädigt. Diese fressen alles erreichbare bei den Bäumen und in Bodennähe, so dass die Landschaft versteppt und für C. cyaneopubescens nicht mehr geeignet ist. Dies führte dazu, dass die Regierung in Venezuela nun Schutzgebiete einrichtete und als Biosphärenreservat vor Zerstörung zu bewahren.[2]

Die Tiere sind in der Natur einem hohen Selektionsdruck durch klimatische Bedingungen (hohe Trockenphasen verknappen das Nahrungsangebot) ausgesetzt und werden deshalb durchschnittlich nicht so alt und groß, wie in künstlicher Terrarienpflege.[2]

Aussehen

Ausgewachsenes Weibchen

Diese Vogelspinne ist eine sogenannte „Bombardierspinne“ und hat auf dem Opisthosoma Brennhaare, die sie zur Verteidigung einsetzen kann, in dem sie sie mit den Hinterbeinen abstreift. Diese Haare werden auch für die Absicherung der Wohngespinste gegen Raubtiernasen eingesetzt. Sie hat einen metallisch blau bis grünlich glänzenden Carapax, ein mit langen orangenen Haaren bedecktes Abdomen und leuchtend blaue Beine. Jungtiere haben eine auffällige schwarze Zeichnung auf dem Abdomen, die sich im Laufe der Zeit aber verliert. Nymphen sind komplett anders gefärbt: Sie haben eine wespenartige Zeichnung auf dem Abdomen und ihre Laufbeine sind bis und mit Femur schwarz gefärbt. Patella bis Metatarsus sind beigefarben und der Tarsus schliesslich dunkelgrau. Der Carapax hat einen goldenen Schimmer.[1]

Weibchen sind durchschnittlich zwischen 6,5 cm und 7,2 cm lang (gemessen von den Beißklauen bis zu den Spinnwarzen). Männchen sind durchschnittlich zwischen 3,5 cm bis 4,3 cm lang; wobei auch Männchen vorkommen können, die annähernd die selbe Größe erreichen, wie kleinwüchsige Weibchen.[1]

Verhalten

Sie gilt gegenüber Menschen als eine ruhige bis leicht defensive Spinne. Unausgewachsene Spinnen zeigen ein ängstliches bis nervöses Verhalten, in dem sie bereits bei kleinsten Erschütterungen in ihr Nest zurückschnellen. Die jungen Spinnen sind zudem äußerst gute Kletterer und bewegen sich flink und erinnern so an Avicularia-Arten. Die Spinnen setzen ihre Abdominalbrennhaare äußerst selten ein. Sie drohen den vermeintlichen Angreifer mit dem Schlagen der Vorderbeine und flüchten, wenn es möglich ist.[1]

Synonyme

  • C. Schmidt, 1995: Avicularia cyaneopubescens (Strand, 1907)
  • Eurypelma c. Strand, 1907
  • Delopelma c. Petrunkevitch, 1939

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Stephan Martini, Chromatopelma cyaneopubescens - Artbeschreibung, Haltung und Zucht in: Arachne, 12. Jahrgang, Heft 5, September 2007 der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft e.V., ISSN 1613-2688
  2. a b c d Klaas, Peter: Vogelspinnen: Herkunft, Pflege, Arten. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2003/2007, ISBN 978-3-8001-4660-4