„Vorsetzen“ – Versionsunterschied

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'''Vorsetzen''' ist eine Straße im [[Hamburg|Hamburger]]er [[Ortsteil|Stadtteil]] [[Hamburg-Neustadt|Neustadt]]. Sie verläuft entlangparallel derzur Elbpromenade[[Jan-Fedder-Promenade]] desam Hamburger [[Niederhafen]]s. Der Name ''Vorsetzen'' leitet sich ab von den Eichenbohlen, die der [[Kai (Uferbauwerk)|Kaikante]] früher zur Sicherung gegen Ausspülungen als [[Spundwand]] vorgesetzt wurden.<ref name=":0" />
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== Beschreibung und Verlauf ==
VorsetzenDie liegtStraße verläuft als Teil der Hafenrandstraße zwischen den Straßen ''[[Johannisbollwerk]]'' im Westen und ''Baumwall'', in die sie am gleichnamigen [[Baumwall]]'' im übergehtOsten. Die ungefähr 330&nbsp;Meter lange Straße hat in beiden Fahrtrichtungen jeweils zwei Fahrstreifen; die Fahrbahnen sind durch einen Mittelstreifen voneinander getrennt. Auf dem Mittelstreifen befinden sich [[Viadukt]]e der [[Hamburger Hochbahn]], deren [[U-BahnlinieBahn-Linie 3 (Hamburg)|U-BahnlinieBahn-Linie 3]] hier zwischen den Haltestellen [[St.Bahnhof Hamburg Pauli-Landungsbrücken#U-Bahn|Landungsbrücken]] und [[U-Bahnhof Baumwall|Baumwall]] verkehrt. Bei Vorsetzen&nbsp;70 beschreibt die Straße einen Knick. Zwischen den beiden Fahrstreifen befindet sich an dieser Stelle ein 1940 erbauter [[Zombeck-Turm|Rundbunker der Bauart „Zombeck“]], der heute als Restaurant genutzt wird.<ref>Historische Informationen zum Turm: [https://www.hamburg.de/kulturbehoerde/auswahl/177590/vorsetzen-70 ''Vorsetzen 70''] Homepage der Stadt Hamburg. Abgerufen am 13.&nbsp;November 2014</ref> Parallel zu Vorsetzen verläuft die Elbpromenade des Hamburger Hafens.
 
Bei Vorsetzen&nbsp;70 beschreibt die Straße einen Knick. An dieser Stelle befindet sich zwischen beiden Fahrstreifen ein 1940 erbauter [[Zombeck-Turm|Luftschutzbunker der Bauart „Zombeck“]], der heute gastronomisch genutzt wird.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.hamburg.de/kulturbehoerde/auswahl/177590/vorsetzen-70 |titel=Vorsetzen 70: Rundturm-Bunker des Typs "Zombeck" |werk=hamburg.de |hrsg=Kulturbehörde/Denkmalschutzamt |datum=2003-02-12 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20160522030110/https://www.hamburg.de/kulturbehoerde/auswahl/177590/vorsetzen-70 |abruf=2016-05-22}}</ref>
== Namensherkunft ==
 
Der Name ''Vorsetzen'' wurde erstmals 1538 erwähnt. Er leitet sich ab aus Eichenbohlen, die der Uferseite zur Sicherung gegen Ausspülungen als [[Spundwand]] vorgesetzt wurden.<ref name="hamlex">[[Franklin Kopitzsch]], Daniel Tilgner (Hrsg.): ''Hamburg Lexikon.'' 4., aktualisierte und erweiterte Sonderausgabe. Ellert & Richter, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8319-0373-3, S. 733.</ref>
Parallel zu den Vorsetzen verläuft die auf einem [[Hochwasserschutz|Flutschutzbauwerk]] verlaufende und seit 2022 so bezeichnete [[Jan-Fedder-Promenade]].
 
== Geschichte ==
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[[Datei:1942 Vorsetzen 2-3 und 4 Bestand.png|mini|Vorsetzen, Fassaden Nr. 1–4 vor der Zerstörung 1942/43, Zeichnung von [[Heinrich Bartmann]] (1942)]]
 
Die Bebauung der Straße und die vorgesetzten Eichenbohlen sind älter als die ErstnennungErsterwähnung des Namens 1528. Aufgrund der Bauweise konnten an dieser Stelle Schiffe am Ufer festmachen und beladen oder gelöscht werden. Mit dem Bau der [[Hamburger Wallanlagen|neuen Befestigung]] Hamburgs wurden die Vorsetzen Teil der inneren Stadt. Der 1621 erbaute ''Neustädter Neuer Weg'', der den [[Schaarmarkt]] mit den Vorsetzen verband, teilte die Straße bis Ende des 19.&nbsp;Jahrhunderts in die sogenannte „1. und 2.&nbsp;Vorsetzen“.
 
Als 18371873 mehr Fläche für die Beladung von [[Ewer]]n gewonnen werden sollte, wurde derdie Verlaufdamals dernoch direkt an die Kaikante angrenzende VorsetzenStraße um etwa 30&nbsp;Meter in Richtung der Elbe verbreitert. 1874/75Ab entstand1889 eine eiserne Fahrbrücke,wurden die parallelbaufällig zur Roosenbrücke (später Rosenbrücke) verlief. Da diegewordenen hölzernen Konstruktionen baufällig geworden waren, wurden sie ab 1889Uferbefestigungen erneuert. Gleichzeitig wurdeund die Straßenfläche abermals erweitert. Die somitdadurch geschaffenen Freiflächen konnten ab 1910 für die Errichtung der Hochbahn-Viadukte der Hamburger Hochbahn genutzt werden.<ref name=":0">Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): ''Hamburg Lexikon.'' 4., aktualisierte und erweiterte Sonderausgabe. Ellert & Richter, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8319-0373-3, S. 733–734.</ref>
 
== Sieleinstieghäuschen ==
[[Datei:Pincerno - Lindley-Denkmal.jpg|mini|links|Denkmal für William Lindley am Baumwall in der Hamburger Neustadt]]
[[Datei:Rainer Funke Einstieg 1904 01.jpg|mini|Der Rainer-Funke-Einstieg mit William -Lindley -Denkmal in Hamburg]]
 
Auf der Höhe Baumwall befindet sich ein sogenanntes [[Siel|Sieleinstieghäuschen]]einstieghäuschen, welches im Jahr 1904 eigens für einen Besuch von [[Wilhelm II. (Deutsches Reich)|Kaiser Wilhelm II]] erbaut wurde, um diesem einen bequemen Zugang für die Besichtigung der [[Kanalisation]] zu ermöglichen. Erst im Jahr 2012 wurde bei Bauarbeiten ein dazugehöriges unterirdisches Ankleidezimmer entdeckt, welches dem Kaiser zum Anziehen von [[Schutzkleidung]] für die Sielbesichtigung dienen sollte. Das Gewölbe befindet sich in drei&nbsp;Meter Tiefe, hat eine Fläche von ca. sechs&nbsp;Quadratmetern und ist mit glasierten Fliesen ausgestattet. „[[Hamburg Wasser]]“ ließ den historischen Raum mit einer Summe von 28.000&nbsp;Euro renovieren. Die Öffentlichkeit kann das Gebäude jährlich am „[[Tag des offenen Denkmals]]“ besichtigen.<ref>[https://www.abendblatt.de/hamburg/article123726265/Das-geheime-Zimmer-von-Kaiser-Wilhelm-II-am-Baumwall.html Unterirdischer Raum: Das geheime Zimmer von Kaiser Wilhelm II. am Baumwall], [[Hamburger Abendblatt]] vom 10. Januar 2014</ref> Zu Ehren des ersten Geschäftsführers der [[Hamburger Stadtentwässerung]] erhielt das Gebäude später den Namen „Rainer-Funke-Einstieg“. Neben dem Häuschen befindet sich das [[Denkmal]] von [[William Lindley]], welcher um 1842 für die Planung des Hamburger Sielsystems zuständig war.
 
== Rundbunker ==
[[Datei:1973 Hamburg.jpg|mini|Rundbunker aman den Vorsetzen]]
 
1940 wurde bei Hausnummer&nbsp;70 ein Rundbunker gebaut. Ab 1942 wurde die historische Randbebauung weitgehend zerstört.
 
== Jan-Fedder-Promenade als Hochwasserschutz ==
[[Datei:Hamburg-vorsetzen-flood-protection-promenade.JPG|mini|Hamburg, Vorsetzen: Hochwasserschutzanlage und [[Jan-Fedder-Promenade]] am Niederhafen]]
[[Datei:Hamburg-cap-anamur-dank-gedenken-elbpromenade-umgestaltet-2020.JPG|mini|links|Denkmal in Hamburg, Deutschland, durch die vietnamesischen Boat People in Form eines Gedenkbuchs aus Bronze für die Rettung durch das Boot Cap Anamur und Gedenken an diejenigen, die bei der Flucht starben. Nach Erhöhung der Hochwasser-Elbpromenade im Jahr 2020]]
 
FürNach dender Hochwasserschutz[[Sturmflut 1962]] wurde die Flutschutzmauer am Niederhafen erhöht und gleichzeitig eine Elbpromenade, die [[Jan-Fedder-Promenade]] (Namensgebung ab DezemberJanuar 20212022), gestaltet, die parallel zum [[Johannisbollwerk]] weiterführt. Der Entwurf stammt von der Architektin [[Zaha Hadid]]. Helle rund geschwungene Treppen aus Stahlbeton führen zur Straße und zur Wasserseite. Der Boulevard als Hochwasserschutz hat eine Höhe von bis zu 8,90&nbsp;Meter über Normalnull (üNN).<ref>''Flutschutz und Flaniermeile: Neue Promenade am Baumwall.'' In: [[Hamburger Abendblatt]], 4. Mai 2019, S. 6.</ref> Die Lampen sind in Anlehnung an Schiffsmasten gestaltet. Alle 40&nbsp;Meter sind Notfallleitern zum Aufstieg aus der Elbe angebracht.<ref>Elisabeth Jessen: ''Neuer Elbe-Boulevard ist fertig.'' In: [[Hamburger Abendblatt]], 13. April 2019, S. 9.</ref>
 
== Literatur ==

Aktuelle Version vom 1. November 2023, 20:18 Uhr

Vorsetzen mit Viadukten der Hochbahn

Vorsetzen ist eine Straße im Hamburger Stadtteil Neustadt. Sie verläuft parallel zur Jan-Fedder-Promenade am Hamburger Niederhafen. Der Name Vorsetzen leitet sich ab von den Eichenbohlen, die der Kaikante früher zur Sicherung gegen Ausspülungen als Spundwand vorgesetzt wurden.[1]

Vorsetzen 1864

Beschreibung und Verlauf

Die Straße verläuft als Teil der Hafenrandstraße zwischen den Straßen Johannisbollwerk im Westen und Baumwall im Osten. Die ungefähr 330 Meter lange Straße hat in beiden Fahrtrichtungen jeweils zwei Fahrstreifen; die Fahrbahnen sind durch einen Mittelstreifen voneinander getrennt. Auf dem Mittelstreifen befinden sich Viadukte der Hamburger Hochbahn, deren U-Bahn-Linie 3 hier zwischen den Haltestellen Landungsbrücken und Baumwall verkehrt.

Bei Vorsetzen 70 beschreibt die Straße einen Knick. An dieser Stelle befindet sich zwischen beiden Fahrstreifen ein 1940 erbauter Luftschutzbunker der Bauart „Zombeck“, der heute gastronomisch genutzt wird.[2]

Parallel zu den Vorsetzen verläuft die auf einem Flutschutzbauwerk verlaufende und seit 2022 so bezeichnete Jan-Fedder-Promenade.

Geschichte

Vorsetzen mit anliegenden Schiffen, 1883
Vorsetzen, Fassaden Nr. 1–4 vor der Zerstörung 1942/43, Zeichnung von Heinrich Bartmann (1942)

Die Bebauung der Straße und die vorgesetzten Eichenbohlen sind älter als die Ersterwähnung des Namens 1528. Aufgrund der Bauweise konnten an dieser Stelle Schiffe am Ufer festmachen und beladen oder gelöscht werden. Mit dem Bau der neuen Befestigung Hamburgs wurden die Vorsetzen Teil der inneren Stadt. Der 1621 erbaute Neustädter Neuer Weg, der den Schaarmarkt mit den Vorsetzen verband, teilte die Straße bis Ende des 19. Jahrhunderts in die „1. und 2. Vorsetzen“.

Als 1873 mehr Fläche für die Beladung von Ewern gewonnen werden sollte, wurde die damals noch direkt an die Kaikante angrenzende Straße um etwa 30 Meter in Richtung der Elbe verbreitert. Ab 1889 wurden die baufällig gewordenen hölzernen Uferbefestigungen erneuert und die Straßenfläche abermals erweitert. Die dadurch geschaffenen Freiflächen konnten ab 1910 für die Errichtung der Hochbahn-Viadukte genutzt werden.[1]

Sieleinstieghäuschen

Denkmal für William Lindley am Baumwall in der Hamburger Neustadt
Der Rainer-Funke-Einstieg mit William-Lindley-Denkmal in Hamburg

Auf der Höhe Baumwall befindet sich ein sogenanntes Sieleinstieghäuschen, welches im Jahr 1904 eigens für einen Besuch von Kaiser Wilhelm II erbaut wurde, um diesem einen bequemen Zugang für die Besichtigung der Kanalisation zu ermöglichen. Erst im Jahr 2012 wurde bei Bauarbeiten ein dazugehöriges unterirdisches Ankleidezimmer entdeckt, welches dem Kaiser zum Anziehen von Schutzkleidung für die Sielbesichtigung dienen sollte. Das Gewölbe befindet sich in drei Meter Tiefe, hat eine Fläche von ca. sechs Quadratmetern und ist mit glasierten Fliesen ausgestattet. „Hamburg Wasser“ ließ den historischen Raum mit einer Summe von 28.000 Euro renovieren. Die Öffentlichkeit kann das Gebäude jährlich am „Tag des offenen Denkmals“ besichtigen.[3] Zu Ehren des ersten Geschäftsführers der Hamburger Stadtentwässerung erhielt das Gebäude später den Namen „Rainer-Funke-Einstieg“. Neben dem Häuschen befindet sich das Denkmal von William Lindley, welcher um 1842 für die Planung des Hamburger Sielsystems zuständig war.

Rundbunker

Rundbunker an den Vorsetzen

1940 wurde bei Hausnummer 70 ein Rundbunker gebaut. Ab 1942 wurde die historische Randbebauung weitgehend zerstört.

Jan-Fedder-Promenade als Hochwasserschutz

Hochwasserschutzanlage und Jan-Fedder-Promenade am Niederhafen

Nach der Sturmflut 1962 wurde die Flutschutzmauer am Niederhafen erhöht und gleichzeitig eine Elbpromenade, die Jan-Fedder-Promenade (Namensgebung ab Januar 2022), gestaltet, die parallel zum Johannisbollwerk weiterführt. Der Boulevard als Hochwasserschutz hat eine Höhe von bis zu 8,90 Meter über Normalnull (üNN).[4] Die Lampen sind in Anlehnung an Schiffsmasten gestaltet. Alle 40 Meter sind Notfallleitern zum Aufstieg aus der Elbe angebracht.[5]

Literatur

  • Falk Jaeger: Logik der extravaganten Form – Flutschutz am Elbufer, in „Architektur in Hamburg, Jahrbuch 2020/21“, S. 10–15, Hamburg 2020, ISBN 9783960605263.
Commons: Vorsetzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): Hamburg Lexikon. 4., aktualisierte und erweiterte Sonderausgabe. Ellert & Richter, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8319-0373-3, S. 733–734.
  2. Vorsetzen 70: Rundturm-Bunker des Typs "Zombeck". In: hamburg.de. Kulturbehörde/Denkmalschutzamt, 12. Februar 2003, archiviert vom Original; abgerufen am 22. Mai 2016.
  3. Unterirdischer Raum: Das geheime Zimmer von Kaiser Wilhelm II. am Baumwall, Hamburger Abendblatt vom 10. Januar 2014
  4. Flutschutz und Flaniermeile: Neue Promenade am Baumwall. In: Hamburger Abendblatt, 4. Mai 2019, S. 6.
  5. Elisabeth Jessen: Neuer Elbe-Boulevard ist fertig. In: Hamburger Abendblatt, 13. April 2019, S. 9.

Koordinaten: 53° 32′ 39,2″ N, 9° 58′ 41,6″ O