„Satzzeichen“ – Versionsunterschied

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NICLAS IST SCHWUL
'''Satzzeichen''' sind [[Sonderzeichen]] einer [[Schrift]], die der Strukturierung und auch der [[Sinn (Semantik)|Sinn]]­gebung des [[Syntax|Satzbaus]] dienen. Die Setzung der Satzzeichen wird Zeichensetzung oder [[Interpunktion]] genannt.

Nicht dazu gehören [[Buchstabe]]n und [[Ziffer]]n sowie ''informationstragende'' Sonderzeichen ([[Währungssymbol|Währungszeichen]], mathematische [[Symbol]]e usw.) sowie – nach einigen Autoren – [[Wortzeichen]]. Hier werden letztere mitbehandelt. Im Falle der Unterscheidung fasst man Satz- und Wortzeichen als [[Interpunktionszeichen]] zusammen, siehe dort.

Die durch die Satzzeichen bewirkte Strukturierung hilft, den gewünschten Sprech- oder Atemrhythmus der gesprochenen Rede auf Papier festzuhalten, ohne den das Gesprochene wie eine schlechte Automatenstimme klingen würde.

== Geschichte ==
Die älteste bekannte [[Urkunde]], die Interpunktion verwendet, ist die [[Mescha-Stele]] aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. mit Punkten zwischen den Wörtern und waagerechten Strichen zwischen den Sinnabschnitten. Die altgriechischen Schriften kennen einen senkrechten Strich und einen, zwei oder drei Punkte übereinander zwischen den Wörtern. In [[Römisches Reich|römischen]] Inschriften ist die Interpunktion häufiger: Punkte dienen zur Trennung der Wörter, am Ende eines Satzes aber fehlen sie.

Im 7. Jahrhundert kommen andere Systeme auf, die jedoch ähnlich aufgebaut sind. Die [[Karolinger]]­zeit kennt den Punkt als Trennzeichen, dazu tritt aber auch bereits ein Strich (''virgula'', siehe [[Virgel]]). Diese Interpunktion wurde später von den Druckern des [[Mittelalter]]s übernommen und ohne eindeutige Regel angewendet.

Die heutigen Satzzeichen gehen im Wesentlichen auf den venezianischen Drucker [[Aldus Manutius]] den Älteren (1450–1515) zurück. Der Erfinder der Kursivschrift (ihrer Herkunft wegen im Englischen als ''Italics'' bezeichnet) druckte in Pietro Bembos 1494 erschienenem Werk ''De Aetna'' das erste Semikolon und standardisierte, gefolgt von seinem gleichnamigen Enkel, die Satzzeichen: Die Virgel begann damals so auszusehen wie das heutige Komma. Hatte die Zeichensetzung bis dahin den Zweck, für das Vorlesen aus Büchern Hinweise auf Tonfall und Atempausen zu geben, so hielt [[Aldus Manutius der Jüngere]] 1566 fest, Zweck der Interpunktion sei hauptsächlich, Klarheit in die Syntax zu bringen.<ref>Lynne Truss: ''Eats, Shoots & Leaves. The Zero Tolerance Approach to Punctuation''; London 2003</ref> Enkel [[Aldus Manutius der Jüngere]] legte 1566 zudem ein Satzzeichen-System vor, konsequent angewandt in der [[Antiqua]], dem Schriftsatz für lateinische Texte. Beide hatten ein grundlegendes Verständnis von Satzzeichen als syntaktische Gliederungszeichen und verwendeten auch das Komma erstmals systematisch und einheitlich. Ihre [[Interpunktion]] war beispielgebend. Heute hat man im Wesentlichen ihre Vorstellungen übernommen.

[[Datei:Lutherbibel.jpg|mini|Die erste vollständige Bibelübersetzung von Martin Luther 1534 mit Verwendung der [[Virgel]].]]

[[Martin Luther]] machte sich mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche um unsere Sprache sehr verdient, verwendete aber in seinen Schriften, wie damals in der [[Frakturschrift]] üblich, statt eines Kommas die [[Virgel]] zu allgemeinen Trennungen in einem Satz, also den [[Schrägstrich]], der in Verwendung als Komma aus dem [[Fraktursatz]] erst um 1700 endgültig verschwand. Sie wurde von da an endgültig durch den [[Beistrich]] ersetzt, den schon Manutius d.Ä. in der ''Antiqua'' benutzte.

Die technische Revolution im Buchdruck, durch die sich Druckerzeugnisse leicht vervielfältigen ließen, die allmähliche Zunahme der Fähigkeit in der Bevölkerung, lesen zu können, und der Trend der komplexer werdenden Gesellschaft, stark vermehrt alles schriftlich festzuhalten, führte allgemein zu einer Standardisierung und Homogenisierung der Schriftzeichen, was auch zu einer Verfestigung der grafischen Form des Satzzeichens Komma bei der Verwendung in Druckwerken führte.<ref>Martin Lowry: ''Aldus Manutius and Benedetto Bordon. In search of a link.'' In: ''Bulletin of the John Rylands University Library of Manchester.'' Bd. 66, Nr. 1, 1983.</ref><ref>http://www.parlamentsstenografen.de/cms/sprache_u_protokollkunde/punkt_punkt_komma_strich/streifzug_durch_die_jetzt-zeit</ref>

Die Regeln zur Anwendung von Satzzeichen ändern sich und entwickeln sich weiter entsprechend dem Bedarf. So gibt es eine Reihe neuer Kommaregeln in der [[Deutsche Sprache|deutschen Sprache]], die das richtige Schreiben entsprechend dem Standard erleichtern, nach Meinung einiger das Lesen jedoch erschweren.

== Die häufigsten Satzzeichen ==
Die am häufigsten verwendeten Satzzeichen, in deutschen Texten, sind im Kasten am rechten Rand aufgelistet. In anderssprachigen Texten gibt es zum Teil andere Satzzeichen, oder sie werden anders verwendet.

Beispiel: In englischen Texten zeigt der [[Apostroph]] – zusammen mit einem „s“ – oft den [[Genitiv]] an (Beispiel: ''Miller’s garden''). Diese Anwendung findet sich heute oft auch in vom Standard abweichenden deutschen Texten.

* Der [[Punkt (Satzzeichen)|Punkt]] ('''.''') steht am Ende eines Aussagesatzes. Er kann auch zur Gliederung von Tausender-Zahlen (''1.000.000'') oder zur Kennzeichnung von Abkürzungen (''etc.'') verwendet werden, dient aber in diesen Fällen nicht als Satzzeichen.
* Das [[Fragezeichen]] ('''?''') steht am Ende einer Frage.
* Das [[Ausrufezeichen]] ('''!''') oder ''Rufzeichen'' steht am Ende eines Ausrufesatzes, eines wichtigen, zu betonenden Satzes oder einer Aufforderung bzw. einem Befehl.
* Das [[Anführungszeichen]] ('''„''' und '''“''' bzw. '''»''' und '''«''', handschriftlich und im Schreibmaschinensatz auch das ''Schreibmaschinenanführungszeichen'' '''"''') steht am Anfang und am Ende einer [[Direkte Rede|wörtlichen Rede]]. Es kann auch benutzt werden, um einen Begriff, ein Zitat oder eine Phrase in einschränkender Weise darzustellen.
* Das [[Komma]] (''','''), auch ''Beistrich'' genannt, früher Virgel, steht zwischen Teil- oder Gliedsätzen; dabei kann es sich um Haupt- oder Nebensätze handeln. Außerdem trennt es vorangestellte, eingeschobene oder nachgestellte Wörter oder Wortgruppen vom Kernsatz ab und gliedert die Teile einer [[Enumeratio|Aufzählung]], wenn diese nicht durch „und“ oder „oder“ verbunden sind. Unabhängig von seiner Funktion als Satzzeichen kann es auch als Trennzeichen für Dezimalzahlen (''3,14'') verwendet werden.
* Das [[Semikolon]] (''';''') oder der ''Strichpunkt'' trennt zwei zusammengehörige Sätze.
* Der [[Doppelpunkt]] (''':''') oder das ''Kolon'' beendet einen [[Satz (Grammatik)|Satz]] und lässt gleichzeitig eine wörtliche Rede, ein Zitat, eine Aufzählung oder einen erklärenden Text beginnen.
* Das [[Leerzeichen]] (''' ''') steht zwischen zwei Wörtern und nach Satzzeichen.
* Der [[Bindestrich]] oder [[Trennstrich]] wird zur Trennung eines Wortes beim [[Zeilenumbruch]] oder zur Bildung zusammengesetzter Wörter verwendet.
* Der Apostroph ('''’''') ist ein [[Auslassungszeichen]].

== Seltenere Satzzeichen ==
* Der [[Gedankenstrich]] ('''–'''), oder auch ''Halbgeviertstrich'', auch als Bis-Strich und Streckenstrich verwendet, klammert einen eingeschobenen Gedanken. Übrigens entspricht das typographisch richtige [[Minuszeichen]] ''nicht'' dem Gedankenstrich. Er ist unter [[Microsoft Windows|Windows]] mit der Tastenkombination '''[Alt] + „0150“''' aufzurufen, auf dem [[Macintosh]] mit der Tastenkombination '''[Wahltaste] + [-]''', und mit der [[Neo-Tastaturbelegung]] mittels '''[Umschalttaste]''' + '''[Komma]'''.
* Der [[Geviertstrich]] (—), auch Spiegelstrich, steht zu Beginn von Aufzählungen als Anstrich. Er ist unter Windows mit der Tastenkombination '''[Alt] + „0151“''' aufzurufen, auf dem Macintosh mit der Tastenkombination '''[Umschalttaste] + [Wahltaste] + [-]''', und mit der Neo-Tastaturbelegung mittels '''[Umschalttaste]''' + '''[-]'''.
* Der [[Hochpunkt (Interpunktion)|Hochpunkt]] ('''·''') dient im [[Griechische Sprache|Griechischen]] als Semikolon; im Deutschen als typografisches Element zwischen gleichrangigen Wörtern, die ohne zusammenhängenden Satz aufscheinen (meistens wird stattdessen der [[Mittelpunkt (Schriftzeichen)|Mittelpunkt]] verwendet).
* [[Schrägstrich]] ('''/''')
* [[Klammer (Zeichen)|Klammern]] ('''(''', ''')''', '''[''', ''']''', '''&lt;''', '''&gt;''', '''{''', '''}''')
* [[Auslassungspunkte]] ('''…''')
* Das Symbol eines [[Zeigefinger]]s ('''☞''') wurde bis ins 18. Jahrhundert als Satzzeichen verwendet, siehe [[Index (Satzzeichen)]]
* Im [[Spanische Sprache|Spanischen]] werden Sätze, die mit einem Ausrufe- bzw. Fragezeichen abgeschlossen werden, mit einem ''umgekehrten Ausrufezeichen'' ('''¡''', ''{{lang|es|signo de exclamación invertido}}'') bzw. einem ''umgekehrten Fragezeichen'' ('''¿''', ''{{lang|es|signo de interrogación invertido}}'') eingeleitet.
* Das [[Interrobang]] ('''‽''') vereinigt die Funktionen eines Frage- und eines Ausrufezeichens

== Ein Beispiel ==
Ein Beispiel diene der Anschauung. Dazu wurde ein besonders umfangreicher Text ausgewählt: Die Auszählung der Schriftzeichen in Karl May, ''Winnetou I'',<ref>[[Karl-Heinz Best]]: ''Zur Häufigkeit von Buchstaben, Leerzeichen und anderen Schriftzeichen in deutschen Texten.'' In: ''Glottometrics'' 11, 2005, Seiten 9–31, siehe Tabelle 9, Seite 18. Der Beitrag enthält außerdem die Häufigkeiten von Satzzeichen in Gottfried August Bürger: ''Lenore'', Georg Büchner: ''Lenz'', Guntram Vesper: ''Fugen'' und Ralf Hoppe: ''Das gierige Gehirn''.</ref> ergab folgende Häufigkeiten:

{| class="wikitable" style="text-align: center;"
! Satzzeichen
! Prozent (der Satzzeichen)
! Prozent (aller Schriftzeichen)
! absolute Häufigkeit
|-
| Komma
| 38,07
| 1,49
| 14482
|-
| Punkt
| 22,54
| 0,88
| 8577
|-
| Anführungszeichen
| 22,17
| 0,87
| 8434
|-
| Ausrufezeichen
| 5,18
| 0,20
| 1969
|-
| Fragezeichen
| 4,77
| 0,19
| 1815
|-
|Semikolon/Strichpunkt
| 3,88
| 0,15
| 1478
|-
| Doppelpunkt
| 1,44
| 0,06
| 548
|-
| Binde-, Trenn-, Auslassungsstrich
| 1,16
| 0,05
| 441
|-
| Anführungsstriche (für Begriffe, Wörter)
| 0,49
| 0,02
| 188
|-
|Apostroph
| 0,14
| 0,01
| 54
|-
| Klammer (rechts und links)
| 0,08
| 0,00
| 30
|-
| Sternchen (*)
| 0,07
| 0,00
| 28
|}

In dieser Tabelle wird nicht zwischen Satz- und Wortzeichen unterschieden. Das gesamte Buch enthält 974.506 Schriftzeichen (Buchstaben, Leer- und Satzzeichen), darunter 159.093 Leerzeichen (= 16,33 %) und 38.044 Satzzeichen (= 3,90 %). Obwohl es sich mit dem ausgewerteten Buch um einen umfangreichen Text handelt, darf das Ergebnis nicht verallgemeinert werden. Andere Texte/Textsorten ergeben andere Relationen. Daten zu den Häufigkeiten einiger Satzzeichen in der Fachsprache der Radioelektronik im Deutschen, Englischen, Französischen und Russischen nennt Hoffmann (1985).<ref>Lothar Hoffmann: ''Kommunikationsmittel Fachsprache. Eine Einführung.'' Zweite völlig neu bearbeitete Auflage. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1985, Seite 90f., ISBN 3-87808-875-2.</ref>

== Anekdote zur Auswirkung von Satzzeichen ==
Die Setzung von Satzzeichen ist oft auch für die Vermittlung des gewünschten Inhalts wichtig. Die nachfolgende frei erfundene [[Anekdote]] verdeutlicht dies: Vor langer langer Zeit gab es einen Bösewicht, der hingerichtet werden sollte. Man schickte nach dem König. Er hatte das Recht inne, den Delinquenten zu begnadigen. Ein Bote kam vom König mit folgender Botschaft zurück: „Ich komme nicht köpfen!“. Nur, wo sollte man das Komma setzen? „Ich komme, nicht köpfen!“ oder „Ich komme nicht, köpfen!“? Sogar ohne Komma ergibt der Satz einen Sinn, auch wenn ein König damit sicher den Befehl an seinen Henker gemeint hätte.

== Siehe auch ==
* [[Diakritisches Zeichen]]
* [[Satz (Druck)]] (Schriftsatz)
* [[Webtypografie]]

== Literatur ==
* {{Literatur | Herausgeber=[[Burckhard Garbe]] | Titel=Texte zur Geschichte der deutschen Interpunktion und ihrer Reform 1462–1983 | TitelErg= | Reihe=Germanistische Linguistik | Band=4-6/83 | Verlag=Olms | Ort=Hildesheim/Zürich/New York | Jahr=1984 | ISBN=3-487-07475-3}}
* [[Joachim Grzega]]: [http://www1.ku-eichstaett.de/SLF/EngluVglSW/grzega1071.pdf „Von Klammeraffen und Gänsefüßchen: Kultur und Kognition im Spiegel der Satz- und Sonderzeichen“] (PDF; 272&nbsp;kB), [http://www.onomasiology.de ''Onomasiology Online''] 8 (2007): 1–16.
* Katja Hübener: ''Punkt, Komma & Co. Die gängigen Satzzeichen im [[Typografie#Mikrotypografie|Detail]].'' Niggli, Sulgen und Zürich 2004, ISBN 3-7212-0505-7.

== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
{{Wiktionary|Zeichensetzung}}

== Einzelnachweise ==
<references />

{{Normdaten|TYP=s|GND=4079477-5}}


[[Kategorie:Satzzeichen| ]]
[[Kategorie:Satzzeichen| ]]

Version vom 10. November 2017, 13:25 Uhr

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NICLAS IST SCHWUL